Etappe 6 Biel – Aarberg 4.6.22

Vielen Dank lieber Petrus, ich nehme alles zurück was ich gestern so über Dich gelästert habe. Im Ernst, der Tag heute war wettermässig kaum zu überbieten. So macht das Wander richtig Spass!

Die Nacht habe ich ja im Swiss Hostel Lago Lodge in Biel / Port verbracht. Hinter diesem pompösen Namen versteckt sich eine völlig unkonventionelle Unterkunft. Geleitet wird sie von einem Haufen hochmotivierter junger Leute. Angegliedert ist sogar eine eigene Brauerei.

Die Mehrbettzimmer sind mit eigener Dusche und WC ausgestattet. Sie sind einfach aber zweckmässig eingerichtet. Entsprechend ist hier eine bunt gemischte Klientel anzutreffen. Leute wie ich die zu Fuss und solche die per Fahrrad unterwegs sind . Familien mit Kindern und ältere Sonderlinge wie ich einer bin. Entsprechend wohl habe ich mich gefühlt.

Nach einer ruhigen Nacht (zumindest für mich) fand sich mein Rucksack mit mir als Anhängsel auf der Via Berna Richtung Aarberg wieder. Ich war sehr gespannt wie die Macher der Via Berna das Problem gelöst haben, einen akzeptablen Weg durch das dichtbesiedelte Mitteland zu finden. Ich war halbwegs überrascht wie Sie das gelöst haben.

Die Wanderwege führten mehrheitlich entlang der alten Aare. Es waren sehr wunderschöne Wege. Aber trotzdem fühlte ich ein tiefes Bedauern ob der nur noch sehr begrenzten Fläche die man der Natur zu überlassen gewillt ist. Die Strassen waren teilweise unüberhörbar und allgegenwärtig. Vielerorts waren Industriegebiete bis unmittelbar an die unberührten Uferwege gebaut. Allzu oft musste man sogar durch solche unattraktiven Industrielandschaften wandern. Was haben wir bloss mit unserer Natur angestellt?

Etwas das mich auch sehr nachdenklich stimmte war eine Tafel auf der stand, dass die Aare hier vor der grossen Gewässerkorrektur einmal 500m breit gewesen sein soll. Was jetzt noch davon übrig ist, ist ein etwa 10m breites Rinnsaal das kaum noch der Rede Wert ist. Der Rest wurde zu Ackerland. Ein grosser Teil fiel Strassen und Überbauungen zum Opfer. Nichts ist von der ursprünglichen Moorlandschaft übriggeblieben. Zumindest fast nichts. Auf einem etwa 200m langen Uferstreifen versuchen einige Enthusiasten etwas vom Ursprünglichen Charme wieder herzustellen.

Aber es waren auch faszinierende Sachen entlang der Route zu entdecken. Zb. die Chnebelburg auf der höchsten Stelle der heutigen Wanderung. Gemäss der Beschreibung wurde dort vor fast 2000 Jahren eine Burg aus Holzästen erstellt. Man vermutet das die sogar vor der Römischen Besetzung gebaut wurde. Hätte ich die Geschichte nicht gelesen, hätte ich dem riesigen Haufen aus Pflanzen und Erde kaum Beachtung geschenkt.

Unter der Chnebelburg in Studen traf ich auf die Überreste einer Römischen Kaserne mit dem Namen Petinesca. Diese Gemäuer wurden wie so oft, entdeckt als man das Grundstück überbauen wollte. Ein paar meiner Fotos bilden dieses Historische Gemäuer ab.

Übrigens haben mich ein paar dieser lästigen schwarzen Minifliegen gefunden. Die, die mir schon auf dem Appalachian Trail und dem Jakobsweg andauernd um die Birne geschwirrt sind. Diese Mistvicher schweben unbeirrt in deinem Gesichtsfeld egal wie bescheuert du versuchst sie zu vertreiben. Glücklicherweise wurde ich sie diesmal los. Irritiert war ich allemal das die Plagegeister mich um die halbe Welt immer wieder finden!

So habe ich einigermassen unbehelligt den Bahnhof von Aarberg erreicht. Mein Fazit der heutigen Wanderung ist durchzogen. Die Macher der Via Berna haben sich wirklich alle Mühe gegeben um uns eine schöne Wanderung zu bieten. Gegen die Verschandelung unserer Natur in den letzten Jahrzehnten hatten Sie keine grosse Chance. Mal sehen wie es nach Aarberg weitergeht. Spass hat mir die Wanderung trotzdem gemacht.

Soweit das Wort zur heutigen Wanderund. Morgen halte ich mich zuhause still und warte die Wetterkapriolen ab die angesagt sind. Euch wünsche ich einen schönen Pfingstsonntag. Ich melde mich am Montag zurück von der Tour mit meiner Santina von Magglingen nach Biel.

Bis dann,

Euer Swiss 🌹♥️

Der Uferweg durch Biel
Kleine Pause auf dem steilen Weg hoch zur Knebelburg
Hier gehts lang!
Links im Bild: Die Chnebelburg! Hand aufs Herz, seht Ihr hier eine Burg?
Blick hinunter ins Seeland
Sieht doch aus wie ein Teilstück auf dem Jakobsweg oder?
Eine kurze Pause sei erlaubt!
Was von der militärischen Anlage bei Studen gerettet werden konnte.
Der Name des Geländes auf dem die Überreste der Militäranlage gefunden wurden.
So präsentiert sich die alte Aare heute:
Schön ist es allemal hier

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