Etappe 18 Hasliberg – Engstlenalp 24.7.22

Das war sie also, die happigste Etappe der Via Berna. Für mich imposante Zahlen. 1350 Höhenmeter nach oben, 600 nach unten und dazu 18km Strecke sind eine echte Herausforderung. Zumindest für mich wie gesagt.

Darum entschloss ich mich, für dieses eine mal mit leichtem Gepäck zu wandern. Ein weiser Entschluss wie ich bemerkte. Ich packte nur das nötigste in den Tagesrucksack den es zu meinem Rucksack dazu gab. Auch wenn ich diesen Rucksack nicht besonders mag weil er einfach zu schwer und unpraktisch ist, der Tagesrucksack hingegen ist genial.

Das Ding ist übrigens von Deuter. Eine Marke die man hierzulande häufig sieht, in den USA jedoch kaum. Vorherrschend sind dort Marken wie Osprey oder Gregory. Einen Gregory habe ich über den Appalachian Trail geschleppt. Leider war er irgendwann nicht mehr zu reparieren und ich habe mir dieses Ding von Deuter andrehen lassen. Nicht falsch verstehen, es gibt durchaus nützliche Dinge an dem Teil. Zb die Möglichkeit die Frontklappe zu öffnen, oder der hohe Tragekomfort. Aber auch gewichtige Nachteile. Eben, das hohe Gewicht, die schwer zu öffnenden Fächer, der instabile, schwabelige Stoff, die unmöglich angebrachten Taschen an den Hüftflossen, der fehlende Tragegriff, nur um einige Beispiele zu nennen.

Aber ich schweife mal wieder ab. Am Samstag Abend habe ich mein Zelt in Meiringen aufgeschlagen. Im Camping Balmweid, falls jemand mal Lust hätte dort zu Zelten. Es ist günstig und hat alles was man so braucht zum Zelten. Ausser Strom für den Zeltplatz. Den muss man in der Dusche zapfen. Etwas befremdlich wenn man bedenkt das der Ladvorgang eines Handys schon mal eine Stunde oder mehr braucht. So lange Dusche ich für gewöhnlich nicht, auch nicht nach einer schweisstreibenden Bergetappe. Und so habe ich meine Gerätschaften in einen Plasticsack gepackt und die Sache in der Dusche geparkt.

Ich habe erstaunlich gut geschlafen in meinem Einmann Zeltpalast. Dabei musste ich feststellen, ich bin nicht mehr so beweglich wie früher, nicht einmal ansatzweise! Das Aus- und Anziehen in dieser sargähnlichen Behausung kostete mich einige Verrenkungen die in meinem Bauplan nicht mehr vorgesehen sind. Ich vermute mal, meine Zeltnachbarn haben nicht schlecht gestaunt wenn mein Palast aus alllen Nähten zu platzen drohte. Dazu ein Gestöhn wie bei einer Turnstunde im Fitnesszenter.

Ich war froh war ich am Sonntag morgen um halb sechs der Erste der sich aus dem Zelt quälte. Und das meine ich wortwörtlich. Fast eine Stunde dauerte dieses Unterfangen mich abreisebereit zu kriegen. Schliesslich hatte ich es geschafft, alles gepackt und den Tagesrucksack mit allem gefüllt was ich so zu gebrauchen dachte. Damit marschierte ich die zwei Kilometer zum Bahnhof, Bus fährt da leider keiner hin. Dort verstaute ich mein überzähliges Equipment in einem Schliessfach. Dem grössten übrigens den diese Anlage zu bieten hatte. Was viel aussagt über den Umfang dessen, was ich hier für gewöhnlich mit mir herumschleppe!

Dann ging es los auf das grösste Abenteuer dieser ganzen Via Berna Geschichte. Ich bin den Weg übrigens in umgekehrter Reihenfolge auf der Via Alpina letztes Jahr gelaufen. Damals war das Wetter sehr schlecht und die Sicht tendierte gegen Null. Das sollte heute ganz anders sein. Und das war gut so. Die Aussicht wurde immer gewaltiger je höher ich kam. Von Hasliberg Reuti an steigt der Weg mal steil, mal noch steiler dem Grat Planplatten entgegen. Von 1065 mü.M. auf 2210 mü.M. Man könnte sich auch mit der Bahn hochtragen lassen. Aber ich bevorzuge die knallharte Tour!

Also quälte ich mich erst über den zauberhaften Muggenstutzweg hoch zur Alp Gummenen. Muggenstutz ist übrigens ein Märchen über Zwerge die hier ihr Dasein fristen sollen. Herzige kleine Häuschen und dunkle, geheimnisvolle Höhlen erzählen unterwegs die Geschichten dieser kauzigen Gesellen. Und so richtig quälen musste ich mich auch nicht mit dem leichten Gepäck auf dem Rücken. Immer weiter ging es hoch, über Matten und durch kühle spendende Wälder.

Der Aufstieg endete schliesslich auf Planplatten. Von hier an wandert man auf schmalen Graten abenteuerlich in Richtung des altehrwürdigen Hotels Engstlenalp. Doch zuvor erreichte ich die Bergstation der Haslibergbahn. Im zugehörigen Touristenverpflegungs Tempel genemigte ich mir meinen Tee.

Lange hielt es mich nicht in diesem von Touristen wimmelden Gehäuse. Endlich konnte ich die Aussicht geniessen die ich im vorigen Jahr so sehr vermisste. Und die ist wirklich gewaltig. Man sieht den Eiger aus mal einer völlig anderen Perspektive. Dann schweift der Blick über das Haslital bis zum Brienzersee der dunkelblau wie eine Perle zu uns hinaufleuchtete. Weiter erblickt man die Hochebene von Melchsee Frutt um schliesslich ins schauderhaft tiefe Engstligental zu starren.

Nach dem Geissentritt genannten Felsenweg geriet ich an eine Stelle die letztes Jahr von einem gefährlichen, steilen Schneefeld bedeckt war. Dieses Schneefeld musste man damals halsbrecherisch überqueren. Heute war davon nichts mehr zu sehen. Zu warm war das Wetter in den vergangenen Wochen. Überhaupt war es ungewöhnlich warm auf dieser Höhe. Weit über zwanzig Grad zeigte das Thermometer.

Zum Glück hatte ich genügend Flüssigkeit mitgetragen und fühlte mich wohl auf diesem Marsch. Am Ende erreichte ich ziemlich geschafft die Engstlenalp und das gleichnamige Hotel. Es steht da wie ein Fremdkörper unter all den Alphütten dieser riesigen Alp. Gebaut wurde es Ende des neunzehnten Jahrhunderts mitten in diese rauhe Bergwelt. Wer mag da wohl alles residiert haben?

Der Rest ist schnell erzählt. Kurz nach meiner Ankunft erschien auch schon das Postauto das uns nach Innertkirchen brachte. Von dort in total überfüllten und teils unklimatisierten Zügen gelangte ich schliesslich mit den ÖV bis fast vor die Haustüre. Ein Privileg wie ich es nur in der Schweiz finden konnte. Aber auch eine angenehme Sache die der Weg über die Via Berna bietet. Jede Etappe beginnt und endet an einer Stelle die einen Anschluss an den ÖV garantiert. Eine nicht zu unterschätzende Tatsache wenn man den Weg zeitlich in verschiedene Etappen unterteilen möchte, so wie ich das tue.

Jetzt bin ich nur noch zwei Etappen von dem Ziel auf dem Sustenpass entfernt. Dann ist das Abenteuer Via Berna leider schon wieder vorüber. Diese zwei Etappen werde ich in zwei Wochen in Angriff nehmen.

Bis dahin wünsch ich Euch noch eine gute Zeit. Geniesst das schöne Wetter und freut Euch auf den ersten August. Auf das es noch möglichst lange Sommer bleiben möge und viele schöne Wanderungen möglich sein werden.

Euer Swiss 🌹♥️

Die meisten Fotos sprechen für sich. Hier ein Blick zurück auf die grosse Scheidegg und den Eiger, das Schreckhorn und die liebliche Jungfau.
Das Haslital mit dem Brienzersee im Hintergrund
Planplatten ist erreicht!
Auch meinen obligatorischen Tee habe ich geschafft!
Wo man jetzt dieses Geröllfeld sieht, lag im letzten Jahr um die gleiche Zeit meterhoch der Schnee.
Aus der ungefähr gleichen Perspektive im letzte Jahr
Tief unten liegt das Haslital
Blick zurück zum Grat über den der Weg mich führte
Von hier existiert noch eine Aufnahme vom letzen Jahr!
Was für ein Unterschied!
Die Engstlenalp
Das Hotel aus einer anderen Zeit
Hier wird mich gleich das Postauto abholen. Ende

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