Tag 18 Jakobsweg 2019

So meine Lieben, ich hoffe Ihr habt heute viel Zeit für mich. Es gibt nämlich eine Menge zu erzählen!

Fangen wir an mit meiner Unterkunft in Saint Julien Molin Molette (schon wieder Saint) Ich habe es ja schon beschrieben, es war tatsächlich ein absoluter Volltreffer.

Am Abend des 13 Juli fand in dem Städtchen ein Umzug mit Feuerwerk statt. Sie tun dies wie bei uns einen Tag vor dem Nationalfeiertag. Meine Gastgeber luden mich dazu ein!

So kam es, dass ich wie ein waschechter Franzose im Umzug mitlief. Ich wurde mit vielen Leuten bekanntgemacht als Jakobspilger.

Ein kleiner Junge fragte mich neugierig weshalb ich denn keine Fackel hätte. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich von weit her zu Fuss gekommen sei und darum keine hätte.

Er schaute mich mit grossen Augen an und lief dann ganz aufgeregt zu seiner Mutter. Sie lächelte freundlich zu mir herüber. Der kleine Kerl hatte wohl keine Ahnung was ich damit meinte. Möglicherweise verstand er auch mein Französisch nicht. 😁

Nach dem Umzug gabs ein grosses Feuerwerk, das den unseren mindestens ebenbürtig war. Danach wurde ich in div. Bars mitgenommen, so als gehörte ich zur Familie.

Als ich am Sonntag einkaufen ging wurde ich aus einem vorbeifahrenden Auto freundlich gegrüsst. Ein anderer der gestern dabei war trat aus dem Haus und gab mir freundlich die Hand. Es war fast so als würde ich schon lange hier leben.

So etwas ist mir bisher noch nie passiert. Was mir aber auffiel war das fehlen von Arbeitsplätzen im Ort. Eine grosse Fabrik sei schon vor Jahren geschlossen worden erzählte mir Martine, meine Gastgeberin.

Auch die Blasmusik die immer dem Umzug voranging gebe es schon lange nicht mehr. An der Spitze unseres Umzugs fuhr ein Pickup auf dem aus einer Musiksanlage die fehlende Blaskapelle ertönte. Irgendwie traurig das ganze.

Aber die Bewohner waren fröhlich und genossen ihr Fest auch ohne Blaskapelle. Und ich durfte daran teilnehmen. Etwas was mich sehr berührt hat in unserer sonst so gefühlskalt gewordenen Zeit. Schliesslich war ich ja hier ein Ausländer!

Am Sonntag habe ich dann für mich gekocht. Zum Mittag gabs selber aufgekochte Dosenravioli verfeinert mit Scheibenkäse.

Am Abend dann das kulinarische Highlight: In liebevoll gesalzenem und bis zum kochen gebrachten Wasser aufbereitete Eiernudeln! Dazu Tomatensosse garniert mit besagtem Rest Scheibenkäse!

Und als Getränk eine raffinierte kohlensäurehaltige Citrolimonade. Wahrlich an mir ist ein Sternekoch verloren gegangen!

Heute morgen wurde es Zeit weiterzuziehen. Ich verabschiedete mich herzlich von Martine und Ihrem Partner und zog los. Weit hatte ich es heute nicht. Nur bis etwa 3 km nach Bourg Argental.

Ich konnte bis zum Etappenziel Les Sétoux absolut keine Bleibe finden. Also entschied ich mich für Le Noharet blanc. Ich liess mich von Google Maps zum Ziel, etwa 3 km nach Bourg Argental führen.

Etwas verwirrt stand ich mitten im Grünen vor einem verlassen aussehenden Gebäude. Das konnte doch nicht meine Bleibe sein? Ich lief hin und her, konnte aber kein anderes Haus und keinen Eingang erkennen.

Das ganze machte auf mich den Eindruck einer längst aufgegebenen Behausung. Schockiert und beunruhigt suchte ich weiter. Da entdeckte ich weit vor der Hütte eine Einfahrt. Dort befand sich auch eine Gegensprechanlage.

Ich drückte einfach mal auf den Knopf ohne grosse Hoffnung auf ein Lebenszeichen. Eine freundliche weibliche Stimme meldete sich. Ich erklärte, dass ich hier reserviert hätte und ob ich wohl richtig sei?

Zu meiner grossen Erleichterung wurde ich sogleich von der Besitzerin der Stimme in der Gegensprechanlage, am Tor abgeholt. Sie entschuldigte sich, ich sei etwas zu früh und mein Zimmer noch nicht fertig.

Sie ahnte nicht wie egal mir das gerade war. Ich sah mich schon ziellos in der Gegend herumrennen auf der Suche nach einem Nachtlager. Sie hättte mir auch sagen können mein Zimmer werde erst in zehn Stunden fertig es wäre mir egal gewesen so erleichtert war ich!

Das Haus ist toll wenn man von der richtigen Seite her kommt. Überall sind Blumen, es hat einen grossen Garten und einen gemütlichen Sitzplatz, von wo ich gerade schreibe.

Ich bin also bis morgen gut aufgehoben und werde heute ausnahmsweise wieder einmal selber Kochen. Den Kocher und ein Fertigmenu aus dem Beutel habe ich ja dabei.

Nun habe ich Eure Zeit genug in Anspruch genommen. Ich wünsche Euch allen einen schönen trockenen wenn auch nicht sonderlich warmen Abend.

Euer Swiss 🌹

Fotos:

Die geschlossene und verlassene Fabrik

Bilder aus dem Ort

Die Stadt versammelt sich zum Umzug

Meine Gastgeber Martine und Robert. Sie waren so liebenswürdig!

Martine mit Ihren Nachbarn

Bilder des Feuerwerks

Heute morgen war es ziemlich düster, es blies ein heftiger Wind und es war recht kühl

Bilder meiner heutigen Bleibe.

Sieht nun nicht gerade nach einem Hotel aus Der gedeckte Garten Sitzplatz

1 Kommentar zu „Tag 18 Jakobsweg 2019“

  1. Eh, bon soir! Du hesch ja mächtig viu positivs erläbt! Du kennsch ja mini Zueneigig zu de Franzose..wenn me offe und fründlech uf se zue geit, de chunnt viu guets retour! Du hesch offebar dä Draht o gfunde u das erlichteret dir hoffentlech die nächschte Wuche i jeder Hinsicht! Me darf haut nid geng mit üsem Land verglieche, si hei ä anderi Gschicht!
    Häb no ä schöne Aabe et à bientôt!

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