2018 Jakobsweg - Camino Francés

Tag eins auf dem Camino - von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Roncesvalles

Freude und tiefe Trauer haben mich heute begleitet. Den Weg habe ich sehr gut hinter mich gebracht. Es war schon recht anstrengend und hat mich gefordert. Es fühlte sich in etwa an wie eine Tagesleistung auf dem Appalachian Trail.

Das ganze wurde überschattet vom Tod des Vaters des Freundes meines Sohnes Simon. Ich wusste, dass er schwer krank und im Sterben lag. Schon den ganzen Morgen habe ich immer wieder an Hanspeter denken müssen.

Ich habe Ihn als fröhlichen und liebenswerten Menschen kennengelernt. Leider war die Zeit die ich mit ihm und seiner Frau verbringen durfte viel zu kurz. Im Moment bin ich einfach nur traurig.

Lieber Hanspeter ich bin froh, dass Du in frieden und in Begleitung deiner Lieben gehen konntest. Ich werde Dich vermissen. Ruhe in Frieden.

Ihr werdet verstehen, dass ich gerade nicht in Stimmung bin mehr über den heutigen Tag zu schreiben.

Auch wenn Ihr Hanspeter vielleicht nie gekannt habt bitte ich Euch kurz innezuhalten in Gedenken an einen viel zu früh gegangenen Menschen. Gedenkt auch seinen trauernden Hinterbliebenen, seiner Gattin Ruth und seinen Kindern.

In stiller Trauer Roli

Camino Tag 2 - von Roncesvalles nach Zubiri

Bitte verzeiht mir, dass mein Blog gestern sehr traurig daherkam. Ich muss dieses Ereigniss irgenwie verarbeiten.

Heute begann mein Tag mit einer Wetter Überraschung. Es regnete nämlich in strömen! Nun gut dergleichen kann mich eigentlich nicht wirklich erschüttern.

Dumm war bloss das meine Regenhose bereits nach einer halben Stunde den Geist auf und den Regen durchgelassen hatte. Es war dazu auch ungewöhnlich kühl, nur gerade +14 Grad ist schon bemerkenswert für die Jahreszeit im Norden Spaniens.

Aber was ich dann bei meinen Mitpilgern teilweise für Bekleidung entdeckt habe spottet jeder Beschreibung. Dazu muss man wissen das der Weg durch den Starkregen sich teilweise in Bäche verwandelte.

Es bildeten sich auch verritable Seen die es zu durchqueren galt. Und da waren doch tatsächlich ettliche Clowns mit Turnschuhen unterwegs! Deren Füsse hätte ich heute Abend nicht haben wollen.

Auch Kurzhosen läufer waren unterwegs… bei der Kälte und diesem strömenden Regen! Wie dumm kann man sich bloss anstellen. Ich bin nicht aus dem Kopfschütteln rausgekommen.

Ausser den inkontinenten Regenhosen hatte ich keine Probleme. Die Füsse blieben einigermassen trocken und auch die Regenjacke zeigte keine Blasenschwäche.

Die Strecke war durch die Nässe sehr anspruchsvoll. Man musste oft höllisch vorsichtig sein um nicht auf die Schnauze zu fallen. Das hätte mir gerade noch gefehlt.

Ein zweites Mal möchte ich nicht wegen Fussproblemen aufgeben müssen. Eigentlich ist meine Kondition zufriedenstellend.

Das Training scheint Früchte zu tragen. Endlich gehöre ich zu denen die in der Lage sind vorne mitzulaufen. Das schmeichelt natürlich meinem Ego 😁

Eine Sache habe ich gestern Nacht entschieden und auf den Weg gebracht. Ich werde am Donnerstag zur Beerdigung von Hanspeter die am Freitag stattfindet zurückfliegen. Auf den Camino werde ich am Sonntag zurückkehren.

Eigentlich hatte ich nur sportliche Ambitionen um diese Wanderung zu absolvieren. Nun aber ergibt sich für mich plötzlich ein ganz anderer Sinn.

Nicht religiös, aber ich möchte meine Wanderung nun meinen zu früh gegangenen Freunden und Familienmitgliedern widmen. Und natürlich ganz besonders Hanspeter. Er und alle andern werden mich von nun an begleiten und ich werde ihrer Gedenken.

Ich finde das einen würdigen Grund so eine Reise zu unternehmen. Es gibt dem ganzen den tieferen Sinn, den so viele darin suchen.

Damit und mit ein paar Bildern in der Galerie beschliesse ich den heutigen Blog.

Danke für Eure Aufmerksamkeit und bis morgen aus Pamplona.

Denkt immer daran das Leben ist nicht unendlich. Geniesst es und teilt es wenn immer möglich mit Euren Liebsten.

Euer Swiss

Camino Tag drei - von Zubiri nach Pamplona

Der Blick aus dem Hotelzimmer heute morgen verhiess nichts gutes. Immer noch hingen die Wolken tief am Himmel. Und mit +12 Grad war es auch nicht gerade Hochsommerlich.

Ich habe meine Winterwanderhose montiert. Alles andere war bereits feucht. Langsam hatte auch meine Regenjacke eine Inkontinenz entwickelt.

So gerüstet lief ich fröhlich los… und vergass prompt den Regenüberzug meines Rucksacks. Ich bemerkte den Verlust erst nach über einer Stunde Wanderung.

Doch dabei ist es dummerweise nicht geblieben. Ungefähr um 12:00 Uhr machte ich, tropfnass mittlerweile, einen Teehalt in einem kleinen Restaurant. Da meine Kopfbedeckung ebenfalls triefte, hängte ich sie zum trocken über die Heizung… dort hängt sie immer noch. Ich vermute die ist mittlerweile knochentrocken. Schade es war eine Erinnerung an den AT 😢

Durch den Dauerregen wurde auch der Weg zunehmend zum Schlammbad. Ich sah allmählich aus wie ein Grubenarbeiter nach einer zweiwöchigen Schlammkur.

Der Spass hielt sich dabei in Grenzen. Dann habe ich mich doch tatsächlich auch noch verlaufen, dass zum Thema Tomaten auf den Augen 😂

Das kam so, ich erreichte ein kleines Dorf. Den Namen habe ich sofort aus meiner Erinnerung gestrichen. Dort stand ein Schild mit der Aufschrift Brunnen folgt nach 20m links. Ich also Augen nach links und so geradewegs am Wegweiser blindlings vorbei.

Nun stieg die Stasse unglaublich steil an. Ich dachte bei mir so, aha jetzt machen sie einen auf AT! Da hat mich der AT Virus gebissen. Mich kriegt ihr nicht klein dachte ich, ich habe schon ganz andere Hügel gefressen!

Das ging bis der Weg 100 Höhenmeter später an einem Wasserreservoir endete. Nun kapierte sogar mein umnebeltes Hirn das ich mich verfranst hatte. Kleinlaut machte ich mich auf die ganze Strecke zurückzulaufen. Damit wäre auch das Thema verlaufen erledigt. Hämische Bemerkungen verbitte ich mir!!

Nach einigen Stunden erreichte ich endlich Pamplona. Nass und total verdreckt bin ich mit dem Bus zum Hotel gefahren. Das gab einige abfällige Blicke seitens der Passagiere. Ich fürchte auch mein Duft war alles andere als lieblich.

Da ich morgen zurückfliege ergab sich das Problem was ich denn anziehen sollte. Sämtliche Kleider waren entweder starr vor Schmutz, stanken oder waren nass. Das Hotel verfügt leider nicht wie in den USA über eine Guest Laundery.

Ich bestellte also ein Taxi zum 1km entfernten Waschsalon. Laufen war keine Option mehr. Meine Haxen wollen einfach partout nicht mehr. Der Spass kam ganz schön teuer zu stehen! Den Preis verschweige ich hier, Santina wäre Entsetzt 😱

Das wars vom Tag drei auf dem Camino. Morgen gehts wie gesagt zurück nach Hause. Ich melde mich am Montag wieder.

Ich grüsse Euch aus Pamplona und wünsche ein schönes Wochenende.

Euer Swiss

Camino Tag vier - von Pamplona nach Puente la Reina

Gestern bin ich zurückgekehrt nach Pamplona. Am Freitag habe ich mich von Hanspeter verabschiedet mit dem Versprechen, dass ich Ihn in Gedanken mit auf den Camino nehme und meine Pilgerreise auch in Gedenken an Ihn weitergehen werde.

Heute also startete ich in Pamplona meine Wanderung erneut. Die Tage zuhause waren sehr erholsam, wenn auch ein wenig bizarr insofern ich ja gar nicht vorhatte zurückzukehren.

Die Strecke war gezeichnet durch einen langen, am Schluss steilen Aufstieg. Das Wetter ist momentan spitze zum Wandern. Es ist zwar warm, aber es geht zeitweise ein starker kühlender Wind. Die Sonne versteckt sich meistens hinter Wolken.

Ich habe den Tag heute sehr genossen. So macht Wandern echt Spass! Das müsst Ihr unbedingt mal versuchen! Die Vegetation ist natürlich durch den Regen förmlich explodiert. Es Duftet intensiv nach Blumen, frischem Gras und Gewächs.

Man könnte davon richtig High werden 🤪 Keine Angst, ich werde schon nicht zum Junkie! Es liegen ja immer noch ca. 690 km vor mir 😂

Heute Abend übernachte ich in einem zehner Schlag. Das wird sicher lustig, die andern neun werde ich sicher toll unterhalten mit meinem Schnarchkonzert.

Zelten ist immer noch schwierig. Praktisch alle Felder sind angesät und eignen sich nicht. Der Rest ist entweder bebaut oder…. mit ZÄUNEN umgeben! Great Britain lässt grüssen. Eine Sache noch die mir aufgefallen ist. Die Bevölkerung hier ist sehr hilfsbereit! In Pamplona habe ich ein paar mal kurz den Weg nicht sicher gefunden. Aber immer war da jemand zur Stelle der mir die Richtung wies. Das kam daher, dass ein paar mal die Wegweiser unklar oder weggeräumt waren. In einer Grosstadt eine fatale Sache. Zum Glück war immer gleich jemand da der mich auf den rechten Weg zurückführte. Sobald man die Stadt verlassen hat, wird es wieder easy. So, das wars wieder für heute. Ich bin etwas müde und brauche meinen Schlaf 😴 Machts gut und bis morgen. Buen Camino auch Euch!

Euer Swiss

Camino Tag 5 - von Puente la Reina nach Estella

Eigentlich habe ich sehr gut geschlafen letzte Nacht. Die bösen Blicke meiner Mitbewohner im Zimmer habe ich überhaupt nicht verstanden 😂

Wie auch immer, das Schlafen in Schlafsälen ist eigentlich nicht so mein Ding. Aber es kostet fast nichts. Duschen ging zwar, aber es war mühsam. Keine Badetücher!

Die heutige Strecke war ein wenig kürzer. Nach den gestrigen 28 km war mir das ganz recht. Bis zur Unterkunft waren es aber trotzdem 25 km!

Ich spüre die Anstrengungen der letzten beiden Tage schon. Heute habe ich ein günstiges Hotelzimmer gebucht. Es sieht sehr gut aus und kostet 45 Euro allerdings ohne Frühstück. Wie in den meisten Hostels hier.

Ich habe mit einem Restaurant Besitzer gesprochen und Ihn gefragt ob es weniger Pilger habe als im Jahr zuvor um diese Zeit. Er hat meine Beobachtung bestätigt. Ob das mit der Fussball WM zusammenhängt?

Arme Irre, aber gut für mich! So hat es jeweils immer Plätze frei in den Unterkünften. Bis dieser Irrsinn vorüber ist, bin ich bereits in Santiago de Compostela.

Ietzt ruhe ich meine müden Füsse aus. In der Zwischenzeit werden meine Kleider gewaschen! Jawohl und zwar von der Empfangsdame persönlich für sechs Euro. Soviel kostet mich nur die Waschmaschine und der Trockner wenn ichs selber mache. Ein Hoch auf die Frauen die unsere Klamotten waschen! 🌹

Genug gewaschen, ich döse hier nun ein Weilchen rum. Raus kann ich nicht, alle meine Unter- und sonstigen Hosen sind in der Wäsche.

Seid gegrüsst ihr lieben Leser! ❤

Euer Swiss

Camino Tag sechs - von Estella nach Torres del Rio

Das Hotel gestern erwies sich als eher ungenügend. Erstens war es ganz am Ende von Estella und dann war das zugehörige Restaurant bereits um 18:00 Uhr dicht.

In der folge bin ich satte 3 km in Sandalen marschiert um zu einem Foodtempel und zurück zu gelangen. Zwar ohne Rucksack aber immerhin. Das Essen war ok. aber nicht unbedingt sehr gesund. (Hamburger mit Fritten) 😙

Aufs Morgenessen habe ich dort verzichtet und bin gleich losmarschiert. Ich dachte, dass da sicher noch das eine oder andere Restaurant auftauchen würde. Taten sie auch, nur waren allesamt noch geschlossen.

Nun, dachte ich, dann esse ich halt einen meiner Energieriegel. Unter einer Brücke entledigte ich meinen Rucksack und stellte ihn… mitten in einen kapitalen Haufen Hundescheisse!

Meinen Fehler bemerkte ich erst als es anfing penetrant zu stinken. Na toll, was tut ein Improvisations Genie jetzt? Er reisst büschelweise Gras aus und verschmiert damit das ganze noch schlimmer über die ganze Unterseite des besagten Transportgeräts. Auch meine Handschuhe bekamen etwas davon mit.

Fortan schritt ich als eine Art stinkendes Disneyland für Camino Fliegen durch die Botanik. Diese umschwirrten mich in freudiger Erregung. Ich ignorierte das ganze wie auch die fragenden Blicke meiner Mitpilger und deren gerümpften Nasen.

Irgendwann unternahm ich einen zweiten Anlauf zur Reinigung mit etwas mehr Erfolg. Der Gestank und die Fliegen waren weg.

Heute hatte ich mir mit nominellen 28 km eine Monstertour auferlegt. Die Sonne schien heute den ganzen Tag und trieb die Temperatur auf über 30 grad. Auf der ganzen Stecke gab es keinerlei Schatten.

Dazwischen führte uns der Weg über 11 km durch Felder ohne Ende und ohne ein Dorf dazwischen. Unter der sengenden Sonne wurde ich schneller müde als üblich. Glücklicherweise hatte ich vorher noch getrunken und meinen Flüssigkeitsvorrat aufgefüllt.

Schliesslich erreichten wir das Dorf Los Arcos. Dort wäre es eigentlich zuende gewesen. Ich wollte aber noch ins 8 km enfernte Torres del Rio.

Dummerweise füllte ich meine Flüssigkeiten nicht mehr nach. Was sich in der folge als schwerer Fehler erwies.

Es waren mit die härtesten 8 km meines Lebens. In etwa vergleichbar mit den letzten Kilometern eines Marathons. 2 Kilometer vor Torres verbrauchte ich den letzten Tropfen Flüssigkeit. Ietzt wurde es richtig schlimm.

Mit letzter Kraft torkelte ich 1 Kilometer vor Torres in die erste Bar nach 7 unendlichen Kilometern. Dort kippte ich gleich 2 Dosen Alkoholfreies Bier. Dann kühlte ich mich im Lavobo ab.

Der letzte Kilometer schleppte ich mich mühsam zum reservierten Hotelzimmer. Hier liege ich nun und lasse den Tag Revue passieren. Im Augenblick habe ich Krämpfe in den Füssen und den Beinen.

Bis morgen wird das hoffentlich vorüber sein. Für morgen sind nur 20 km geplant. Dann schaue ich wie es mir dort geht.

Für heute mache ich Schluss, mich plagen gerade diverse Krämpfe.

Mit einem unverkrampften Lächeln 😀

Euer Swiss

Camino Tag sieben - von Torres del Rio nach Logroño

Ich gebe es zu, gestern habe ich in meiner Unterkunft den Match Iran – Spanien verfolgt. Während eines feinen Nachtessens inmitten von Spanischen Gästen. Es war ein Gaudi ihnen zuzusehen. Patriotischer geht wohl gar nicht! Bin bloss froh haben sie gewonnen.

Heute also nur 20km, obschon es dann mit Unterkunft suchen eher 25km waren. Es war wiederum brutal heiss, möglicherweise noch wärmer als gestern.

Nur diesmal habe ich den Fehler von gestern nicht wiederholt. Wenn immer möglich habe ich mich mit Flüssigkeit aufgefüllt. Ich habe mehr Treibstoff verbraucht als so ein Amifass aus den sechzigern.

Auf die 20km verbrauchte ich gut und gerne 7 liter, macht auf hundert satte 35 liter. Irgendwie hat unser Schöpfer da seine Hausaufgaben nicht gemacht. Andererseits läuft ein Motor auch noch mit 100 Grad. Bei uns ist bei einer Betriebstemperatur von 40 Grad Schluss.

Entschuldigung für den Ausrutscher in die Physik. Aber unseren Körper unter 40 Grad zu halten bei einer Umgebungstemperatur von über 36 Grad ist schon eine beachtliche Leistung unseres Körpers. So gesehen ist die Genialität unseres Konstrukteurs unbestritten.

Um beim Thema zu bleiben, der heutige Weg zeichnete sich durch wiederholte kurze aber überaus knackige Ups and Downs aus. Zusammen mit der Backofenhitze eine tolle Herausforderung für uns Pilger!

Auch ich habe mich ganz schön anstrengen müssen. Aber ganz so ausgepowert wie gestern bin ich zum Glück nicht. Morgen gibt es nochmal einiges zu laufen. Dann werde ich zwei Tage Ruhe einschalten.

Meine Kraft schwindet mit jedem Tag ein wenig mehr. Aber morgen werde ich mich bereits der zweihundert Kilometer Marke annähern. Das muss vorerst genügen, es ist ja kein Rennen!

Ich wünsche auch Euch einen guten letzten Tag vor dem Wochenende.

Bis morgen 💕

Euer Swiss

Camino Tag acht - von Logroño nach Navarrete

Gestern abend habe ich mir eine Magenverstimmung eingefangen. Schon nach ein paar Stunden mitten in der Nacht fing es an. Ich lernte das Badezimmer intensiv kennen. Etwas über 200 Kacheln habe ich gezählt. Was man nicht so alles erlebt auf einer Reise.

Am morgen war ich entsprechend down und konnte mich kaum zum Aufbrechen bewegen. Zum Glück hatte ich mir für heute “nur” 12 km vorgenommen. Es wurden wie immer ein paar mehr.

Mühsam und kraftlos mit einem unerträglichen Bauchgrimmen schleppte ich mich zum nächsten Restaurant. Dort versuchte ich ein furchterregendes Gebäck aus 80% Zucker zu vertilgen. Mit ca einem liter Tee gelang es mir auch fast.

Nach sieben Kilometern verlies mich das ganze wieder, sorry etwas unappetitlich!

Danach hate ich noch in etwa die Kraft eines bettlägerigen Senioren im Altersheim.

Aber ich habe es gerade noch mal geschafft. Jetzt liege ich im Bett und zähle zwischendurch die hiesigen Kacheln im Bad. Ausser ich sehe mir intensiv die Sanitären Einrichtungen Kopfüber an.

Ironischerweise hängt auch noch ein total witziger Badezimmer Spiegel dort. Um den Spiegel herum prangt der Satz “You are so beautyful” Finde ich überhaupt nicht witzig imfall 😤

Ich werde also noch einen Tag länger in den Spiegel schauen und hoffen das sich die Worte bis Sonntag bewarheiten. Sprich ich nehme jetzt ein eine Auszeit und versuche wieder zu Kräften zu kommen.

Eine gute Nachricht gabs doch noch heute. 576km bis Santiago stand da! Demnach hätte ich in sieben Tagen 224km geschafft!.

War wohl etwas zu viel des guten. Trotz dem Unterbruch zu Hause.

Jetzt geh ich mal wieder Kacheln zählen, den Spiegel strafe ich mit Nichtbeachtung.

Es grüsst Euch ein angezählter Pilger.

Euer Swiss

Camino Tag 9 - Ruhetag in Navarrete

Ausnahmsweise schreibe ich heute bereits am Sonnenaufgang. Gestern Abend war ich ja einigermassen verzweifelt weil es mir so schlecht ging.

Heute morgen kann ich glaube ich bereits Entwarnung geben. Es geht mir bereits viel besser. Auch dank dem fürsorglichen Hotelpersonal. So wie ich das sehe sind das Mutter und Tochter die diese Pension führen.

Sie haben Tee für mich gekocht und mir zwei Tabletten Voltaren gegeben. Das war echt lieb von den zwei. Ich bin hier also bestens aufgehoben bis morgen.

Das wars auch schon wieder. Ich habe neue Bilder hochgeladen. Tag sechs und sieben, von Tag acht gibts keine. Ich war so mit mir beschäftigt, dass ich nicht ans fotografieren dachte.

Wunsche Euch allen gute Gesundheit.

Euer Swiss

Camino Tag zehn - von Navarrete nach Nájera

Ok Leute, ich bin wieder da und habe heute meine 16 km abgespult. Es war eine wunderschöne Wanderung. Unterwegs habe ich einem Gitarristen am Wegrand zugehört. Er sass dort zusammen mit einer (seiner?) Frau und spielte Gitarre und Mundharmonika. Wie einst Bob Dilan.

Bloss hat er Spanisch gesungen und sein Lied handelte von der Schönheit des Camino. Ein magischer Moment des Zuhörens und des gegenseitigen sich freuens. Solche Begegnung sind es die mir ans Herz gehen und mich für viele Mühen belohnen.

Jetzt bloss nicht sentimental werden. Weil leider war letzte Nacht etwas viel lärm im Nachbarzimmer. Verursacht durch ein Paar das sich zum Zwecke der Fortpflanzung in derselben mit einiger Lautstärke übte.

Unfair wenn die eigene Partnerin mit der man sich gewöhnlich solcherlei Vergnügen hingibt, unerreichbar fern ist.

Es wurde denn eine kurze Nacht, da das besagte Paar über eine überaus erstaunliche Kondition verfügte.

Trotz, oder möglicherweise gerade wegen dieser Nacht, war ich am morgen beschwingt in den Tag gestartet. Die Kilometer sind nur so vorbeigeflogen und ich fühlte mich gut.

In Nájera meinem heutigen Ziel angekommen stellte ich erstaunt fest, dass da ein gewaltiges Fest im gange war. Die Jugend von vermutlich dem ganzen Bezirk tanzte durch die Strassen und es spielte entsetzlich laute unharmonische Musik zu der in Musiksprechchören gegrölt wurde.

Ich konnte leider nicht in Erfahrung bringen was der Grund für das wüste Feiern sein sollte. Könnte sein, dass die Jugend den Sommerferien beginn feierte. Jedenfalls waren es hauptsächlich Jugentliche die da feierten und mit halbzerrissenen Shirts durch die Gegend liefen. Viele waren auch von Kopf bis Fuss mit Texten zugemüllt.

Das dumme an der Geschichte war bloss, dass Rolandi nichts zu futtern kriegte. Über zwei Stunden suchte ich nach einem Lokal das nicht hoffnungslos überfüllt war.

Keine Chance, schliesslich habe ich mir im Hotelzimmer ein Outdoor Gericht gekocht. War jetzt auch nicht der Brüller. Aber ich hatte so einen Hunger und habs dann doch gegessen… fast.

Heute Abend, meinte die Dame an der Hoteldesk, werde es sicher gehen. Mal sehen.

Ich wünsche Euch allen noch einen schönen Sonntag und macht nicht zu viel lärm, auch wenn mich das überhaupt nichts angeht. Denkt einfach an die armen Nachbarn. So jetzt reichts, kein Wort mehr!

Liebe 💗 Grüsse 😇

Euer Swiss

Camino Tag elf - von Nájera nach Santo Domingo de la Calzada

Die Nacht war durch die Festivitäten von gestern etwas unruhig. Ich habe übrigens gestern doch noch etwas essen können, bin also nicht verhungert. Würde auch nicht so schnell passieren bei meinen Reserven.

Der Tag begann recht schön, die Gegend war umwerfend. Leider hat sich nach etwa einer Stunde plötzlich wieder mein Magenproblem gemeldet. Kachelnzählen lag aber auf dem Landweg leider nicht drin. Also bog ich auf dem Weg ab und schlug mich in die Büsche.

Einer hat mir noch nachgewinkt und mir zu verstehen gegeben das ich falsch sei. Ich habe zurückgewunken und bin weiter.

Das ganze wiederholte sich zum Glück nicht mehr bis ich Gottseidank im nächsten Dorf ankam. Dort suchte ich alsbald die Toilette auf… und Papier fehlte.

Ich zur Theke und als ich mit Papier zurückkam sass schon einer drin! Er kam nach verdächtig langer Zeit raus, sah mich mit der Papierrolle in der Hand und hob seinen Daumen. Ok dachte ich, damit gehts natürlich auch… wenigstens hat er seine Hände nachher gewaschen.

So, genug der sch…. Beim rausgehen traf ich einen jungen Deutschen mit dem ich schon ein paar mal einige Worte gewechselt hatte.

Er wollte wissen wie es mir denn so gehe. Ich schilderte ihm meine Situation. Als ich verneinte auf seine Frage ob ich denn Medi hätte, öffnete er seinen Rucksack und zauberte daraus Kohlen und Magentabletten die er mit mir teilte.

Das ist Hilfsbereitschaft auf dem Camino. Ich war sehr gerührt und habe ihm und seinem Partner zum dank einen Kaffee spendiert.

Nach der Einnahme der Kohletabletten war ruhe im Gedärm und ich genoss wieder den Camino.

Eine überaus lustige Begegnung hatte ich bei Kilometer 16. Ich hatte gerade knapp unterhalb der Spitze einer langen Steigung eine Dame aus dem Friaul im Schatten sitzend getroffen. Wir hatten uns bereits vorher in dem Restaurant mit besagter Toilette unterhalten.

Sie freute sich über jeden der mit Ihr Italienisch sprechen konnte. Also wechselten wir ein paar Worte. Ich hatte mir aber vorgenommen erst ganz oben eine Pause einzulegen.

Oben angekommen traf ich auf einen wunderschönen Picknick Platz mit Bäumen die für Schatten und etwas kühlung sorgten. Auch ein kleiner Brunnen stand da.

Schnell entledigte ich mich meines Rucksacks und lief die Strecke zurück um die Dame auf die Stelle aufmerksam zu machen. Sie kam mir auf halbem Weg entgegen in Begleitung eines Italieners. Sehr überrascht, dass ich zurückgelaufen kam freute Sie sich über mein Auftauchen.

Gemeinsam sassen wir dann also am besagten Platz, da tauchte ein schweratmender junger Mann auf seinem Fahrrad auf. Das absolut witzige dabei war, er hatte vor dem Lenker einen Elchkopf samt Geweih aus Kunststoff montiert.

Ich hab mich fast nicht eingekriegt ob dieses absolut unglaublichen Bildes. Er erklärte mir, dass er das Ding in Logroño auf einer Mülldeponie entdeckt und gleich mitgebracht habe.

Er machte noch ein Foto von mir und seinem Rad. Ich werde es heute noch in meine Bildergalerie hochladen. Das müsst ihr einfach gesehen haben!

Nun sitze ich also in Santo Domingo in meinem Zimmer. Frisch geduscht und die Kleider sind auch gewaschen und im Moment noch im Trockner.

Somit endet meine heutige Reportage, ich hoffe Ihr hattet Spass und ich war nicht zu garstig mit meinem Bericht.

Machts gut und bleibt sauber!

Euer Swiss

Camino Tag zwölf - von Santo Domingo de la Calzada nach Belorado

Das war vielleicht ein Tag! Es ist ja so, dass man möglichst früh zu laufen anfangen sollte. Bis ungefähr 12:00 Uhr ist die Temperatur am erträglichsten.

Ab dann wird es immer wie heisser und die Leistung des Körpers nimmt ab. Das heisst Du läufst langsamer und bist damit noch länger in der brütenden Sonne unterwegs.

Heute morgen also stellte ich meinen Wecker moderat auf 6:00 Uhr. Leider schlief ich sehr schlecht und bemerkte am morgen, dass meine Magenverstimmung sich wieder meldete. Es dauerte über eine Stunde bis ich mich getraute das Bad zu verlassen.

Da mir noch Medikamente von gestern übrig waren, schluckte ich mal die. Dann rätselte ich mit mir, ob ich wohl überhaupt losgehen sollte. Mittlerweile war es bereits acht Uhr und ich sass immer noch in meinem Zimmer.

Es hatte keinen Sinn, da ich das reservierte Zimmer im nächsten Etappenziel nicht mehr stornieren konnte. Ich hätte also doppelt bezahlen müssen. Das gab den Ausschlag das und der Umstand dass es mir in dem Moment gerade einigermassen gut ging dank der Tabletten.

Also bin ich halt erst um halb neun los. Zuerst lief es recht flott. Einfach das Bauchgrimmen war mein ständiger Begleiter.

Die heutige Strecke war leider auch alles andere als attraktiv. Laut Wanderführer war es die langweiligste Etappe des Camino. Ich lief die ganze Zeit neben einer Fernstrasse auf der hunderte von Lastwagen vorüberdonnerten.

Das einzig positive für mich war, etwa alle 4-5 Kilometer tauchte ein Dorf und damit ein Restaurant und damit die dringend benötigte Toilette auf. Und dazu konnte ich literweise heissen Schwarztee unter den ungäubigen Augen meiner Mitpilger verputzen.

Natürlich geriet ich später am Tag prompt in die Zeit der grössten Hitze. Die Laune konnte ich trotzdem aufrechterhalten. Schliesslich habe ich das riesige Privileg einen Körper zu besitzen der in meinem Alter immer noch bereit ist solche von mir herausgeforderten Strapazen einfach so mitzumachen. Dafür danke ich meinem Erbauer heisste er nun Gott oder Allah oder Budda oder sonstwie. Dank dafür 🙏

Morgen ziehe ich hoffentlich etwas früher los, es gibt eine sog. Königsetappe. Will heissen es stehen anstrengende 27km an. Das will erst geschafft werden. Diesmal werde ich aber nichts im Voraus reservieren. Damit könnte ich jederzeit vorher aussteigen wenn es den nötig würde.

Kraft für 27 garstige Kilometer glaube ich zwar zu besitzen. Aber dann sollten diese sch… Beschwerden mich nicht weiterhin bremsen.

Ich gehe jetzt etwas essen und dann früh schlafen. Das ist jetzt das wichtigste. Ich freue mich schon jetzt auf den morgigen Tag und die Königsetappe!

Schlaft auch gut und hoffentlich könnt Ihr Euch auch auf morgen freuen 😎

Herzlichst ❤

Euer Swiss

Camino Tag dreizehn - von Belorado nach San Juan de Ortega

Eigentlich eine unheilvolle Zahl diese dreizehn. Für mich war sie es heute für einmal nicht.

Das Hostel gestern war echt super. Ich hatte ein Zimmer mit sage und schreibe vier! Betten ganz für mich alleine. Im Garten der zur Unterkunft gehörte habe ich ein echt tolles Pilgernachtessen genossen.

Ich durfte mich zu einer Gruppe aus Deutschland an den Tisch setzen. Gemeinsam haben wir den Abend und unsere Gespräche genossen.

Auf den Türmchen und Zinnen des Klosters gegenüber hatten Störche sich ihre Nester gebaut. Es hatte auch einige Jungtiere dabei.

Ein besonders abenteuerlustiger Jungstorch stand alleine auf einer kleinen Kuppel. Keine Ahnung wie der da hingekommen war.

Jedenfalls sahen wir ihm den ganzen Abend zu wie er versuchte von da wieder wegzukommen. Es war zum totlachen wie er immer wieder versuchte die runde Kuppel herunterzulaufen. Er drehte sich hin und her, streckte seine langen Beine aus und zog sie sofort wieder zurück wenn er drohte abzustürzen.

Dann wiederum hob er seine Flügel, flatterte etwas herum, traute sich aber nicht zu fliegen. Schliesslich blieb er auf einem Bein stehen, hob den Schnabel in den Himmel und gab den gelangweilten Draufgänger. Meist nicht für lange dann ging das ganze von vorne los.

Als ich um neun Schlafen ging stand der arme Kerl noch immer auf seiner blöden Kuppel und wand sich verzweifelt herum. Dort steht er vielleicht noch immer.

Ich hatte einen erholsamen Schlaf aus dem mich um fünf Uhr unsanft der Wecker schellte. Besser gesagt Summte. Ich liess ihn, wie es meine Unart ist noch zweimal summen. Dann machte ich klar Schiff und konnte um sechs Uhr fünfzehn loslaufen.

Mit meinem Magen stimmte heute alles. Das Wetter hatte sich stark verändert, es war frisch, der Himmel verhangen und leichter Nebel hing über dem Land.

Froh zog ich los und fand um neun ein Restaurant das offen und Frühstück hatte. So gestärkt konnte ich die gefürchtete Steigung nach Montes de Oca in Angriff nehmen.

Es war den auch echt steil, so dass ich mich kurz auf dem AT wähnte. Dann aber nahm die Steigung ab und schon nach ungefähr anderthalb Stunden hatte ich den höchsten Punkt erreicht.

Hier gab es ein Denkmal an die 300 Personen die hier im Spanischen Bürgerkrieg umgekommen waren. (Notiz an mich: ich muss unbedingt mehr über diesen Krieg in Erfahrung bringen).

Jetzt klarte es auch auf und die Sonne brach durch den Nebel. Ich hatte mit einem mal einen unheimlichen Lauf. Beschwingt überholte ich viele der vor mir marschierenden Pilger.

Das konnte ich seit Tagen nicht mehr! Kraftlos und angeschlagen wie ich war. So erreichte ich zügig mein heutiges Etappenziel mit dem klingenden Namen San Juan de Ortega. Eigentlich wollte ich bis Agnés laufen. Es schien aber alles dort ausgebucht zu sein. Ich wollte nichts riskieren. Zumal es jetzt wieder überzog.

Ich fand eine herrliche Bleibe in einer zur Kiche gehörenden Hazienda. Das Zimmer ist gross und gemütlich.

Etwa eine Stunde nachdem ich ankam klopfte es an meine Verandatür. Ich hatte meine Kleider zum trocknen dort ans Geländer aufgehängt.

Der Besuch riet mir meine Sachen sofort hereinzuholen. Ein Gewitter war losgebrochen und ich hatte es nicht bemerkt weil ich eingeschlafen war.

Also habe ich heute nicht Pech sondern unglaublich Glück gehabt, dass es mir so gut lief und ich vor dem Unwetter zu meiner Unterkunft gelangte.

Morgen geht es nach Burgos. Dies ist eine weitere Grosstadt auf meinem Weg. Ich werde aber nicht dort bleiben sondern nach einer Übernachtung gleich weiterziehen. Grosstädte reizen mich diesmal nicht allzu sehr.

Mittlerweile habe ich genug gequatscht und ich hoffe Euch nicht gelangweilt zu haben. Das täte mir echt leid 😒

Ich danke für Eure Aufmerksamkeit und wünsche einen erholsamen Abend.. möglicherweise mit Fussball? ⚽

Liebe Grüsse 🌹

Euer Swiss

Camino Tag vierzehn - von San Juan de Ortega nach Burgos (plus Burgos Spezial)

Heute möchte ich zwei Blogs schreiben. Diesen hier über den heutigen Tag, den andern etwas persönlicher.

Der heutige Tag begann temperaturmässig sehr kühl. Ich zog mich warm an mit Faserpulli und Regenhose. Es ging zudem ein starker Wind. Welch ein Unterschied zu den Tagen zuvor!

Ich bin natürlich jetzt auch auf der Hochebene um Burgos angelangt. Im Moment auf ca. 800 meter. Das wird auch einige Zeit so bleiben.

Der Aufstieg nach der Sierra de Atapuerca war kurz aber recht steil. Zuoberst steht ein Holzkreuz von dem ich auch ein Foto gemacht habe (mit meiner Visage im Vordergrund 😎).

Kurz vor dem Aufstieg traf ich zu meiner Freude auf einen Steinkreis! Ihr erinnert Euch, ich war ja im Frühjahr mit Imbach den Steinkreis im Säuliamt besuchen gegangen. Damals sprachen wir darüber, dass es im Norden Spaniens ebenfalls solche geben würde. Nun habe ich also einen gefunden!

Nachdem ich das Holzkreuz verlassen hatte ging es weiter durch einsame kleine Dörfer bis schliesslich die Grosstadt Burgos auftauchte. Ich schenkte mir diesmal die endlose Lauferei durch das Industriegebiet vor dem Stadtkern und nahm den Bus.

Dort fand ich auch mein tolles Hotel mitten im Zentrum! Ich freue mich auf ein anständiges Nachtessen im naheliegenden Restaurant. Es heisst übrigens la Mafia 😎! Ich hoffe bloss da wird nicht geschossen 😂

Noch einen Tag und eine Nacht dann erreiche ich Castrojeriz wo ich einen Tag ausspannen werde. Ich freue mich darauf. Heute habe ich übrigens endlich die dreihundert Kilometer Marke geknackt!

Demnach müsste ich pro Woche laufen 150 Kilometer geschafft haben. Ich bin zufrieden und happy es trotz meinen Problemen soweit geschafft zu haben.

Geht es so weiter müsste ich die Strecke in sechs Wochen ungefähr schaffen. Falls mein toller Körper mir das erlaubt!

Das wars ich werde noch einen zweiten Blog verfassen, Bilder hochladen und anschliessend Essen gehen.

Tschau zusammen und freut Euch mit mir auf das kommende Wochenende 😁

Euer Swiss 😎

Meine Geschichte von Burgos

Um die Geschichte richtig zu erzählen muss ich mit meiner Kindheit beginnen.

Ich wuchs in einem Vorort von Bern auf der bekannt war durch seine vielen Sozialwohnungen. Erst als ich zehn wurde zogen wir aus diesem tristen Quartier aus.

Mein Vater ist im Berner Oberland genauer an der Lenk aufgewachsen. Sein Elternhaus stand weit hinten im Oberried, ca. vier Kilometer von der Lenk richtung ende des Tales.

Da er nie eine Berufslehre machen konnte und schon früh für seine Familie zuverdienen musste hatte er zwar mit viel Glück eine Stelle bei der Schweizerischen Staatsbahn gefunden. Dort verdiente er als Hilfsarbeiter aber nur sehr bescheiden weshalb wir in diesem Quartier zu wohnen kamen.

Damals nahmen die Arbeitgeber keinerlei Rücksicht auf die Bedürfnisse eines Familienvaters. So konnten wir eigentlich selten oder nie zusammen mit dem Vater Ferien verbringen.

Das und unsere triste Wohnsituation führte dazu, dass ich praktisch jede Freie Zeit bei meiner Grossmutter in dem alten Bauernhaus im Oberried verbrachte. Daher stammt auch meine liebe zum Wandern und zu den Bergen.

Da es nun natürlich in den Bergen öfters trüb und regnerisch ist, war es oft nicht möglich in den Bergen ringsum Wandern zu gehen.

Da musste ich mich halt anderweitig beschäftigen. Hier nun kommt der Bezug zu Spanien und speziell zu Burgos.

Unter den Spielsachen die meine Grossmutter für uns aufbewahrte befand sich ein ganz spezielles Stück dem meine ganze Faszination gewidmet war.

Es handelte sich um einen Spielzeug Rennwagen der fünfziger Jahre. Mit einer riesigen langen Motorhaube und einem kurzen entenförmigen Heck. Der Fahrer sass ganz hinten vor einem riesigen Lenkrad.

Rechts von ihm ragte ein Ganghebel aus dem Gehäuse. Rechts und links des Fahrers lugten die Auspuffohre hervor. Das Gefährt war knallrot angemalt.

Das wirklich faszinierende für mich war das man einen federgetriebenen Motor aufziehen konnte und beim betätigen des Gangebels sich das Fahrzeug tatsächlich von selbst fortbewegte. Mit dem Steuerrad konnte man sogar richtig Steuern!

Der Name der auf diesem Fahrzeug eingestanzt war lautete eben nach meiner Erinnerung Burgos. Vielleicht erinnert sich jemand an diesen Spiezeug Hersteller und ob er wirklich Burgos hiess.

Ich finde es jedenfalls magisch, dass ich mich heute in einer Stadt befinde die diesen Namen trägt. Auch wenn mich meine Erinnerung trügen sollte ist es halt doch eine schöne Geschichte die mir heute beim Wandern wieder in den Sinn gekommen ist.

Ihr habt Euch sicher schon oft gefragt, was um Gotteswillen macht man wenn man so lange einfach einen Fuss vor den andern setzt.

Dies ist ein Teil davon, neben all den kleinen Dingen die sonst noch geschehen. Ein Fahrer der Dich im vorbeifahren euphorisch winkend grüsst, eine seltene Pflanze am Wegrand, eine Wolke deren Form deine Fantasie beflügelt, ein Vogel der nur für dich zu singen scheint.

Es gibt so vieles das dich beim Wandern erfreuen, nachdenklich machen oder begeistern kann. Wahrlich Wandern ist niemals langweilig. Beschwerlich, schmerzhaft und bisweilen furchtbar lang aber für mich niemals langweilig!

Mit diesem Plädoyer fürs Wandern möchte ich diese kleine Geschichte beenden.

Euer Swiss

Camino Tag fünfzehn - von Burgos nach Hornillos del Camino

Zwei Wochen laufen auf dem Camino sind bereits vorbei. Kaum zu glauben wie schnell die Zeit vergeht!

Gestern in Burgos war die Hölle los! Die ganze Nacht wurde in der Stadt gefeiert. Um halb zwölf, ich war seit über einer Stunde am Schlafen gings richtig zur Sache!

Mit einem Riesengetöse wurde in der Stadt ein Feuerwerk in den Nachthimmel geschickt. Über zwanzig Minuten dauerte der Spuk. Ich war natürlich hellwach und hatte mühe wieder einzuschlafen. Auch weil lauthals grölende Gruppen bis am Morgen durch die Qartiere zogen.

Entsprechend müde war ich als um halb sieben das Handy mich aufweckte. Bis ich geduscht und gefrühstückt hatte war es fast halb neun. Zum Glück standen heute nur 21km an.

Endlich zeigte sich auch die Sonne wieder und es wurde wieder recht warm. Die Gegend wurde immer faszinierender, keine Strassen und fast keine Dörfer mehr. Ich war endlich wieder in der reinen Natur angekommen.

In div. Reiseführern wird dieser Teil des Jakobsweges als langweilig dargestellt. Ich kann dem keineswegs Zustimmen! Es ist der Pilgerweg wie ihn so viele vor uns als den ursprünglichsten Weg kennenlernten.

Ich freue mich auf jedenfall auf den endlosen Horizont an dem sich unser Weg grandios verliert. Es ist ein erhabenes Gefühl in die Unendlichkeit zu gehen.

Dies ist eine Sache die der Camino dem Appalachian Trail voraus hat. Dort sah man meist nur die nächsten paar Meter Wald vor sich. Eigentlich darf man die zwei Weitwanderwege nicht miteinander vergleichen

Ausser dem befreienden Gefühl das sich bei der langen Zeit des zu Fuss gehens einstellt. Ich hoffe Euch etwas von meiner Begeisterung herüberbringen zu können.

Das wäre mein grösster Wunsch, dass mein Geschreibsel möglichst authentisch daherkommt. Darum schreibe ich auch jeweils gleich nach meiner Ankunft, wenn die Eindrücke noch frisch und ungetrübt sind.

Heute Abend nächtige ich mal wieder in einem Massenlager, bevor ich morgen zwei Tage in eine Topunterkunft einziehen werde! Ich freue mich sehr auf den morgigen Tag und die tolle Unterkunft am Abend.

Jetzt muss ich mich langsam sputen weil hier sind feste Zeiten fürs Nachtessen an die man sich zu halten hat. Fast wie damals in den Ferienlagern unserer Schule! 😂

En guete Znacht und bis morgen!

Euer Swiss

Camino Tag sechzehn - von Hornillos del Camino nach Castrojeriz

Der Tag der Fliegen. Heute vor einem Jahr habe ich den Appalachian Trail abgebrochen. Ein trauriger Tag an dem ich den Traum eines Thru Hikes endgültig begraben musste.

Heute wurde ich unangenehm an den Trail erinnert. Diejenigen die meine damaligen Blogbeiträge gelesen haben erinnern sich vielleicht noch an die lästigen Black Flies die mich damals fast in den Wahnsinn getrieben haben?

Nun, sie sind jetzt hier! Sie haben mich gefunden! Diese Biester müssen mir hierher gefolgt sein. Das ging schon am Morgen los. Zuerst waren es nur einzelne, aber irgendwie verfügen diese Mistvicher über ein geheimes Kommunikations System!

Schon nach kurzer Zeit umschwirrten mich tausende dieser lästigen winzigen Dreckfliegen. Aber nur um den Kopf drehte sich ihr Verlangen. Wie irre stürzten sie sich auf jede Öffnung in meinem armen Kopf.

Langsam hatte ich den Eindruck die verwechseln meine Nase mit der Sterbehilfe Dignitas. Scharenweise verendeten sie in meinem Riechorgan. Oder sie versuchten meinen Auspuff zu verstopfen damit ich zusammenklappe und sie mich dann auffressen könnten.

Ich war nicht der einzige der so gefoltert und fast zur Verzweiflung getrieben wurde. Ein Paar das sich auch zu wehren versuchte gab mir Insektenschutzmittel zum einsprühen. Das schien die Dinger nicht zu stören. Im Gegenteil es machte sie glaube ich noch dazu high!

Erleichterung brachte erst der aufkommende Wind der sie endlich wegblies. Es zogen auch langsam Wolken auf und es roch nach Regen.

Zum Glück musste ich nicht mehr weit gehen bis zum Tagesziel Castrojeriz.

Der gestrige Abend war sehr unterhaltsam. Ich habe in der Unterkunft zusammen mit ca. zehn Nationen ein Nachtessen genossen. Da waren Pilger aus Kanada aus Mexico aus Korea, Japan, Italien, Deutschland natürlich, den USA, der Schweiz (juhu ich) und ich weis nicht was noch für Ländern.

Das gab ein herrliches Sprachenwirrwar und ich tratschte mal auf Englisch dann Italienisch, Französisch und Deutsch natürlich. Es tat gut einfach so draufloszuquatschen. Bloss Spanisch das kann ich leider garnicht. (Solche waren natürlich auch vertreten)

Wir haben Wein getrunken und es war richtig lustig. Weniger Freude dürften meine Tischgenossen später im Zehnerzimmer an mir gehabt haben.

Am Morgen meinte einer zu mir sie hätten das obere Stockwerk evakuiert und geschlossen. Ich halte das für etwas übertrieben. Aber ein wenig schuldbewusst fühlte ich mich schon!

Heute nun habe ich in Castrojeriz meine Luxusbude bezogen. Mein Zimmer ist echt eine Wucht! Das ganze Hotel ist wunderschön und die Beschreibungen im Internet sind nicht übertrieben.

Als Krönung des ganzen habe ich gerade eine Massage hinter mir, jawohl 👍!

Als nächstes freue ich mich auf ein tolles Nachtessen, zu dem ich in zehn Minuten geladen bin. Ich muss mich also sputen sonst verpassse ich den Spass!

Ich wünsche Euch einen Fliegenfreien Abend 🕸! Bis morgen dann.

Euer Swiss

Camino Tag siebzehn - Ruhetag in Castrojeriz

Da ich heute meinen Ruhetag eingezogen habe, gibts nicht viel zu erzählen.

Ich habe die Gelegenheit ergriffen und mich etwas in Castrojeriz umgeschaut. Dieser Ort der tatsächlich seit alters das Stadtrecht besitzt hat eine erstaunlich wechselhafte Geschichte.

Diese ist eng mit der einst stattlichen Burg die dominant auf einem Hügel über der Stadt thront verbunden.

Einst stand dort ein Turm der von den Römern dort hingestellt wurde. In der wechselhaften Geschichte Kastilliens wurde daraus in vielen Etappen die trutzige Burg deren Ruine noch heute Castrojeriz beherrscht.

Auch der Ort selbst erlebte viele stürmische Zeiten. Er wurde immer wieder Ziel von kriegerischen Auseinandersetzungen. Es gab Zeiten der Blüte als man Handel trieb mit Merinowolle in ganz Europa. Dann folgten Zerstörung und die Pest. Schliesslich fand eine Landflucht statt nach dem Spanischen Bürgerkrieg.

Erst die Wiederbelebung des Jakobwegs brachte wieder Leben in die alten Gemäuer. Heute sind viele Herbergen für die Pilger aus aller Welt entstanden.

Womit wir wieder in der heutigen Zeit angelangt wären. Das Hotel ist wie ich erwähnte ein wunderschön renoviertes altes Herrenhaus. Heute Abend führte unsere Gastgeberin uns durch das ganze Gebäude. Wir tauchten ab in den Untergrund mit seinen geheimen Gängen die einst bis zum Castillo geführt hätten wie uns die Dame versicherte.

Die Burg hatte ich heute Nachmittag besichtigt. Man hatte eine fantastische Aussicht von dort oben. Fotos werde ich noch hochladen.

Das wärs dann vom heutigen (un) Ruhetag

Einen historischen Gruss aus Castrojeriz

Euer Swiss

Camino Tag achtzehn - von Castrojeriz nach Población de Campos

Morgens um halb fünf liess ich mich wecken. Heute sollte mein Leichtwander- Tag sein. Das Gepäck habe ich ganz nach der Luxusmanier hier auf dem Camino per Kurier vorausschicken lassen.

Schlappe fünf Euro kostet der Spass hier. Und Spass war es denn auch, so mit Wasserflasche, Sonnenbrille und Sackmesser im Beutel loszumarschieren.

Ich konnte ein für mich unglaubliches Tempo laufen. Es fühlte sich schon fast an wie fliegen! Zumindest die ersten fünfzehn Kilometer hatte ich überhaupt keine Mühe das hohe Tempo zu halten. Erst danach spürte ich erste Anzeichen der Ermüdung.

Keiner hat mich heute überholen können. Einer hat versucht mein Tempo trotz seines Rucksacks zu halten. Eine Zeitlang hörte ich Ihn hinter mir keuchen und husten. Dann fiel er langsam zurück.

Zwei Stunden später machte ich meine erste Pause. Gerade als ich mein Frühstück bekam, kam er in das Restaurant geplatzt. Als er mich sah, blickte er hocherhobenen Hauptes weg. Er kaufte ein paar Früchte und stürzte wieder aus dem Laden. Ich hatte wohl an seinem Ego gekratzt.

Kurz vor meinem Tagesziel unterhielt ich mich mit einem Pilger der mir schon zuvor einmal aufgefallen war. Er sass vor einem kleinen Lebensmittel Laden in dem ich mir gerade was zu trinken geholt hatte.

Ich setzte mich zu Ihm und meine erste Frage war natürlich woher er komme. Aus Polen beschied er mir. Er bot mir aus einer Grosspackung einen feinen Eisstengel an. Zu viele für Ihn meinte er.

Dann erzählte er mir voller Stolz seine Geschichte. Seit 2700 km sei er nun unterwegs. Die Schweiz habe er umgangen, viel zu teuer meinte er. Frankreich sei toll gewesen und günstig. Nach meinen Erfahrungen diesbezüglich mit Frankreich fragte ich mich schon ob er echt dort durchgewandert ist.

Dann erklärte er mir er sei Katholisch und dieser Weg sei wichtig für Ihn. Es sei gar die Erfahrung seines Lebens meinte er. Schön für dich dachte ich und fragte mich schon ein wenig was Glaube mit laufen zu tun hat. Aber das scheint der tiefere Zweck des Jakobsweges zu sein für viele.

Ich habe Verständnis für derlei Gefühle, kann sie aber irgendwie nicht teilen. Ich laufe hier nicht um zu einem Gott oder zu mir selbst zu finden. Für mich liegt der Sinn darin die grandiose Natur zu erleben. Sich Zeit zum Nachdenken zu nehmen. Das Leben zu spüren und dankbar sein dafür wie es ist. Gute Gespräche mit Menschen zu haben. Einfach Zeit haben, sich Zeit nehmen, anhalten, staunen, darüber schreiben was ich fühle und erlebe.

Das ist es was mich dazu treibt zu wandern. Das ist für mich der Sinn im ganzen. Sich treiben lassen in einer Zeit in der wir alle getrieben werden. Ich wünschte mir alle dürften das einmal in Ihrem Leben erfahren. Es gäbe mehr Verstehen und mehr Freude auf dieser Welt.

Darum fühlt es sich für mich falsch an sich wieder von andern sagen zu lassen was denn nun der Sinn auf diesem Weg zu sein habe. Das ist einzig und allein Sache eines jeden einzelnen. Sonst ist man wieder nicht frei und läuft der Idealvorstellung anderer nach. Ich glaube genau das ist nicht der tiefere Sinn des Camino überhaupt des Zufuss unterwegs seins.

Genug philosophiert, es ist mal wieder mit mir durchgegangen 😊 Ich war einfach gerade in Stimmung nach dem Gespräch mit diesem Pilger und musste meine Gedanken dazu mal geschrieben stehen sehen. Ich glaube es einigermassen richtig formuliert zu haben was ich empfinde.

Wenns Euch zu gefühlsduselig gewesen sein sollte, dürft Ihr mir das ruhig schreiben. Oder mir sagen wie Ihr das seht. Es würde mich schon interessieren.

Damit lasse ich Euch für heute in Ruhe und wünsche euch selbige am heutigen Abend. Tschüss liebe Leser, bis wenn Ihr Zeit und Lust habt morgen. 🌹

Euer Swiss

Camino Tag neunzehn - von Población de Campos nach Calzadilla de la Cueza

Der eintönigste Tag bis jetzt. Ich hatte mir 32km vorgenommen um bis nach Calzadilla de la Cueza zu kommen. Der Weg führte uns endlos geradeaus durch die immer gleichen Felder.

Der Abstand zwischen den Dörfern war teilweise immens. Die grösste Distanz betrug sage und schreibe 17km.

Ich habe es schliesslich doch geschafft. Glücklich und recht müde traf ich am Tagesziel ein.

Es macht halt Mental einiges aus ob die Strecke die man läuft abwechslungsreich ist oder nicht. Dabei spielt es auch keine Rolle wenn auf einer Etappe zwar körperlich viel verlangt wird, sie aber viel Abwechslung bietet.

Es werden sicher noch schönere Strecken folgen. Darauf freue ich mich. Gerade bin ich zu müde um mir darüber den Kopf zu zerbrechen.

Ein gutes Nachtessen und viel Schlaf wird mich für morgen wieder fit machen!

Tut mir leid, wenn ich heute etwas kürzer bin als sonst. Gerade ist auch noch die Schweiz in der WM ausgeschieden, schade!

Was solls, davon geht die Welt nicht unter! Habts gut und bis morgen.

Euer müder Swiss (auch etwas frustriert)

Camino Tag zwanzig - von Calzadilla de la Cueza nach Sahagún

So gut wie heute habe ich schon lange nicht mehr geschlafen. Das Hostel war aber auch sehr ruhig. Zudem war ich gestern so richtig müde. Ich habe auch erst heute morgen bemerkt, dass mein Blog nicht raus ging. Sorry dafür!

Da ich heute keine grosse Strecke zu laufen hatte bin ich erst um 8:00 Uhr losgezogen. Es ist kühl im Moment und es weht ein kühler Wind.

Zum laufen ist das aber nicht unangenehm. Man ist sich das vom Schweizerischen Wetter ja eher gewohnt 😆

So ab der mitte der Strecke holte mich ein junger Mann ein. Wir begrüssten uns zuerst auf Englisch und er erklärte mir froh zu sein endlich jemanden zu treffen.

Es war mir auch schon aufgefallen, dass heute praktisch niemand am Wandern war. Ich weis auch nicht wieso. Ob es am Wetter oder an der Strecke liegt?

Schliesslich bemerkte ich, dass Englisch wohl nicht die Muttersprache meines neuen Begleiters sein konnte. Es stellte sich heraus das er aus Germany kam.

Damit war es natürlich leichter sich zu unterhalten. Er erzählte mir viel über sich und seine Gründe hier zu laufen. Es war bereichernd für mich mit einem Jungen Menschen (er ist 33 Jahre alt) über Gott und die Welt zu philosophieren.

Die Kilometer flogen nur so vorbei und ich durfte viel aus seinem Leben und seinen Gedanken erfahren. Solche Begegnungen sind das Salz auf einer Wanderung wie dieser.

Endlich hat man Zeit zuzuhören und auch selber zu erzählen, seine Gedanken zu äussern und sich die Meinung des andern durch den Kopf gehen zu lassen, daraus etwas zu lernen.

Wir sind dann am Tagesziel das auch seines war Mittagessen gegangen. Auch hier konnte ich mich ruhig und unbeschwert mit Ihm unterhalten.

Für heute Abend gehen wir noch zusammen Nachtessen.

Jetzt sollte ich mich sputen und unter die Dusche hüpfen! Ich werde morgen wieder hier sein, versprochen!

Herzlichst 💕

Euer Swiss

Camino Tag einundzwanzig - von Sahagún nach El Burgo Ranero

Das ist glaube ich Rekord! Erst drei Uhr nachmittags und ich bin geduscht und bereit zum schreiben.

Den ganzen Tag war ich mutterseelenallein unterwegs. Für die Etappe die ich gerade am Laufen bin gibt es mehrere Varianten. Desshalb splittet es natürlich die Pilgertruppe auf.

Ich habe mir nicht gerade die beste ausgesucht und habe desshalb gewechselt. Es kostete mich einen Mehrkilometer. Hier sollte es intressanter sein. Ich werde es morgen sehen.

Der Junge Deutsche von gestern hat sich bei mir gemeldet, er möchte ab morgen die zwei Tage mit mir bis Léon wandern. Ich habe zugesagt. Zu zweit eine Strecke zu wandern ist ganz reizvoll.

Es ist die Frage im Blog gestellt worden nach der Jakobsmuschel und dem Pilgerpass. Beides habe ich ja bereits vorher in St. Gallen bei der dort ansässigen Pilgervereinigung bestellt.

Die Muschel kennzeichnet mich nach aussen als Pilger und ermöglicht es, mir Dienstleistungen die Pilgern vorbehalten sind zu nutzen. Der Pilgerpass wird am Schluss benötigt um die Urkunde zu erhalten.

Das mit dem Ausweis und der Urkunde ist mir eigentlich nicht so wichtig. Es ist lediglich eine Erinnerung daran, dass man das einst geschafft hat. Wen das dereinst interessiert kann ich mir echt nicht vorstellen.

Also werde ich hier weiterschreiben, was mir wesentlich wichtiger ist als so ein Stück Papier. Und weitergehen natürlich, bis Santiago de Compostela.

Die vierhundert Kilometermarke habe ich bereits überschritten und ich nähere mich bereits den fünfhundert. Damit habe ich bereits mehr als die Hälfte hinter mich gebracht. Es werden immer weniger Kilometer die mich von meinem Ziel trennen.

Körperlich geht es mir sehr gut. Selbstverständlich spüre ich meine Muskeln, Sehnen und Gelenke. Aber das gehört nun mal zum Weitwandern dazu.

Ich habe Mühe jemandem zu Glauben der behauptet nichts zu spüren. Im Alltag läuft ja heute niemand mehr täglich 20km und mehr.

In Léon werde ich am Sonntag einen Ruhetag einlegen. Man sollte seinem Körper auch mal die nötige Ruhe gönnen.

Das werde ich jetzt auch tun.

Ich wünsche Euch viel Spass an den schönen Wetter, geniesst den Sommerabend.

Euer Swiss

Camino Tag zweiundzwanzig - von El Burgo Ranero nach Mansilla de las Mulas

Hola Leute! Freut mich das Ihr bei mir vorbeischaut! Heute gehts ums Thema Essen auf dem Jakobsweg.

Eine Sache vorn weg, kulinarische Höhenflüge sollte man nicht erwarten, zumindest nicht als Pilger 😄

Typisch sind die überall angebotenen Pilger Menus. Die Kosten praktisch immer so um die 11 Euro.

Inbegriffen sind Vorspeise, Hauptgericht und Nachspeise. Dazu gibts Wasser und Wein. Meist ein Glas Wein und eine Flasche Stilles Wasser. Solches mit Kohlensäure habe ich noch nie gesehen. Der Wein ist meist gute Hausmannskost oder manchmal auch weniger 🤪

Die Auswahl der Vorspeisen ist sehr ähnlich: Salat, Suppe, Spaghetti!? Lasagne?! oder eine Hausspezialität. Im Hauptgang findet man Fleischklösschen mit Reis, Huhn mit Fritten, Schnitzel mit Fritten, Fisch mit Fritten oft auch verschiedene Paella, wobei man hier vorsichtig sein sollte weil die Zutaten vielfältig sein können. Von Krustentieren über Kaninchen bis hin zu Schnecken (schauder) ist alles möglich.

Zum Nachtisch stehen zur Auswahl Eine Art Pudding, Fruchtsalat, irgendwelche Kuchen, Früchte und verschiedene Eissorten. Bestellt man Eis kriegt man oft entweder verpackte Eiskübelchen oder Cornets wie vom Supermarkt! Die sind dann meist auch von Langnese oder von Néstle 😂

Das bemerkenswerte ist das es eigentlich immer ähnliche Sachen gibt die man Auswählen kann, die Mengen und vor allem die Qualität und die Zubereitung sind stark unterschiedlich.

Richtig schlecht habe ich nicht oft gegessen, richtig gut aber auch nicht 😄. Will man nun etwas anderes als das Pilgermenu essen wird es schnell teuer. Zumindest für Europäische Verhältnisse. Davon ist allgemein abzuraten, weil es auch nicht viel besser sondern nur teurer ist.

Das bezieht sich alles natürlich nur auf den Camino de Santiago. Sonst und in den grösseren Städten kann man natürlich vorzüglich Speisen… wenn man das entsprechende Lokal findet.

Beim Frühstück ist es sehr ähnlich. Toastbrot, Butter und Konfitüre dazu Kaffee, Wasser und Orangensaft gibts eigentlich immer. Mehr ist schon eher die Ausnahme. Das geht dann über Eier, Seranno Schinken (köstlich) Käse ( meist auch sehr gut) Früchte und Joghurt bis hin zu lokalen Spezialitäten.

Das so zum normalen Speiseplan auf dem Camino.

Unterwegs gibt es in den Dörfern jeweils Bars und kleine Restaurants die hauptsächlich Gebäck und kleinere Pizzastücke und natürlich meistens sehr leckere grosse Sandwich verkaufen. Auch kleine Gerichte haben sie oft. Dann gibts natürlich meine heissgeliebte Cola!

Kaffe ist definitiv nicht die Kernkompetenz der Spanier. Wenn man einen Espresso bestellt, weis man nie was dann da serviert wird. Das reicht von einer ganzen Tasse schwer zu definierender Brühe bis zu einwandfreien köstlichen Italienischen Espressi. Letzteres eher selten gesehen. Deshalb verzichte ich meistens darauf.

Köstlich finde ich das Bier hierzulande. Möglicherweise weil das halt bei heissem Wetter einfach himmlisch schmeckt.

So, jetzt habe ich mich so richtig in den Hunger geschrieben. Darum verlasse ich Euch hier und gehe… fooden!

Danke für Eure Aufmerksamkeit und guten Appetit! 🥂🥗🥘🍛

Euer Swiss

Camino Tag dreiundzwanzig - von Mansilla de las Mulas nach Léon

Mit dem heutigen Tag habe ich meinen Geschwindigkeitsrekord gebrochen! Natürlich ohne meinen Rucksack, den habe ich mir nachsenden lassen.

Um trotzdem etwas für die Kondition (und gegen den Bauch 😁) zu tun habe ich ziemlich auf die Tube gedrückt. 18 km in 3:20 Stunden ist schon recht akzeptabel.

Dafür spüre ich jetzt wieder einmal meine Hüfte. Erstaunlicherweise hat sich der Fersensporn bisher überhaupt nie bemerkbar gemacht.

Bei meinen Socken macht sich allmählich der Verschleiss bemerkbar. Ich werde wohl ein erstes Paar beerdigen müssen. Die Ferse schaut hier frech heraus.

Auch die Schuhe kann ich nach dem Camino vermutlich dem Wanderschuhimmel zuführen. Ich hoffe sie finden dort Anschluss. Sie haben mir vorzüglich gedient. Es werden dannzumal in Santiago so um die 1500km sein die wir zusammen gegangen sind. Eine lange Freundschaft geht dann zuende, schnüff 😢

Aber noch sind es etwas über dreihundert dieser Kilometer die wir zusammen zurükzulegen haben. Haltet durch Kameraden!

Hier in Léon werde ich also bis Montag bleiben und mich ausruhen bevor es zum letzten Abschnitt geht. Die restlichen 300 km hoffe ich in ca 2 1/2 Wochen hinter mich bringen zu können. Es sollte also möglich sein ohne Stress am 1 August zuhause zu sein. Wir werden es ja sehen.

So, jetzt eine warme Douche ( gestern gabs nur kaltes Wasser!) und dann eine Massage… hab ich mir verdient oder?

Lasst es Euch gut gehen und lasst Euch so richtig verwöhnen. Ein schönes Wochenende, ich melde mich am Montag zurück. Jetzt geniesse ich mein Wochenende!

Euer Swiss

Camino Tag vier und fünfundzwanzig - Ruhetage in Léon

Die Tage in León waren super! Ich habe eine Massage gekriegt! und die Kathedrale von León habe ich auch besichtigt. Dann gabs zwei tolle Italienische Nachtessen. Entspannt habe ich mich in dem wirklich sehr schönen Hotel.

So konnte ich heute mit frisch aufgeladenen Batterien wieder zurück auf den Camino. Nach ungefähr zehn Kilometern traf ich (wiederum) auf einen jungen aus Deutschland der den Camino aus religiöser Überzeugung läuft.

Für Ihn sind Gottesdienste und Morgenandachten ein wichtiger Bestandteil des Jakobsweges. Obwohl ich seine Überzeugung nicht teilen kann, hatten wir sehr gute Gespräche zusammen. Beide konnten wir vom andern etwas mitnehmen.

Mich beeindruckte die tiefe Überzeugung mit der er seinen Glauben lebt. Obwohl ich denke das er noch einiges zu erfahren hat bevor er die tiefe Reife von Menschen wie unsere Malu erreicht.

Für mich ist Sie die Verkörperung eines Menschen mit einem unerschütterlichen Glauben. Das ist es was ich als das Wesen des Glaubens verstehe.

Genug Religion für heute, es drängt sich halt auf sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Da kommt man nicht darum herum, es ist zu allgegenwärtig.

Wir sind dann also den Rest des Weges zusammen unterwegs gewesen und sind jetzt auch hier in Vilavante im selben Hostel untergekommen. Noch sind wir nicht so viele Pilger, so dass man leicht eine Unterkunft findet.

Wir sind auch eine Variante des Camino gelaufen der, weil länger, nicht von vielen gelaufen wird. Es hat sich gelohnt, die Strecke war viel abwechslungsreicher.

So damit sind wir hier wieder auf dem neuesten Stand.

Es wurde heute etwas spät weil ich erst um 18:00 Uhr hier eintraf.

Ich wünsche allen eine gute Nacht und morgen einen strahlenden Sommertag. Für diejenigen die den Urlaub angetreten sind viel Spass und viele schöne Erlebnisse!

Euer Swiss

Camino Tag sechsundzwanzig - von Léon nach Astorga

Astorga Wäscherei, da sitze ich mal wieder und trara! ich wasche! Allmählich werde ich zum Waschexperten. Erst in Florenz dann in den USA und jetzt in Spanien! Welche Hausfrau kann sich schon mit meiner Erfahrung messen? Ich bin einfach stolz auf meine neuen Fähigkeiten!

Jetzt sollte ich noch kochen lernen. Weil das Handwerk ist am Camino leider selten anzutreffen. Das ist nicht nur meine Erfahrung, auch andere Pilger sagen dasselbe. Und ich bin alles andere als heikel was Essen anbelangt. Santina kann das bestätigen.

Die ewigen Pommes zu absolut jedem passenden und unpassenden Gericht ist schon speziell. Oder mag jemand von euch diese Vierkantigen Scheusale zu Spaghetti? Eben!

Nun zu erfreulicheren Dingen. Gegen Schluss des heutigen Tages traf ich am Wegrand auf eine Oase mit Matratzen, und Stühlen die von einigen Jungen hier aufgestellt wurden. Improvisierte Dächer spendeten Schatten.

Das beste aber waren die Früchte die Sie uns anboten. Nehmt sagten Sie soviel ihr mögt. Wenn ihr könnt werft eine Spende dort in den Behälter. Es war wie im Paradies. Ich hatte gerade 12km in glühender Hitze hinter mir und hier gabs frische unglaublich gut schmeckende Früchte. Ihr könnt Euch kaum vorstellen was für ein Gefühl das ist.

So sassen und lagen wir hier im Schatten auf den ausgelegten Matratzen und konnten unser Glück kaum fassen. Trails Angel auf dem Camino. Das gabs bisher noch nie in dieser Form!

Natürlich habe ich gespendet. Meine Spende war sicher viel zu hoch aber das war es mir Wert. Koreaner, Amis eine Russin, Italiener, Deutsche ein Östereicher aus Wien und ich Schweizer sassen hier friedlich herum und assen Früchte.

Es hatte Orangen, Wassermelonen, Äpfel, Aprikosen, Bananen, Kirschen und ich weis nicht mehr was noch. Das gehört definitiv zu den Höhepunkten meiner Wanderung hier in Spanien. Überhaupt gehören die Spanier (ausser den Köchen) zu den liebenswertesten Menschen denen ich so auf meinen Reisen begegnet bin.

Und wenn Ihr jetzt noch keine Lust auf eine saftige Orange oder einen wunderbar süssen Schnitz einer Wassermelone verspürt, ja dann kann ich Euch auch nicht helfen.

Meine Wäsche ist mittlerweile während meiner Schriftstellerischen Betätigung auch fertig.

Geht also hin und erfreut Euch an köstlich schmeckenden Früchten. Ich wünsche Euch guten Appetit dazu!

Euer Swiss

Camino Tag siebenundzwanzig - von Astorga nach Foncebadón

Was für ein Tag! Aber zuerst muss ich das Hotel hervorheben. Ein superschönes Zimmer, ein gediegenes Atrium und tolle Leute. Ich konnte mich mit einem Paar unterhalten die mit ihrer zehn Monate alten Tochter unterwegs sind.

Er ist Deutscher und Sie Kanadierin. Bevor ihre Tochter geboren wurde lebten sie auf den Kaiman Inseln. Typischerweise ist er Banker!

Ich konnte mich gut amüsieren mit ihrer Kleinen. Die beiden Eltern waren sehr erstaunt als die Kleine ihren Kopf an mich lehnte. Es war rührend und ich genoss es sehr!

Am morgen bin ich um sieben losgezogen. Es war kühl und bewölkt. Beim zweiten Dorf machte ich einen Stop um einen Tee zu trinken. Dabei verfinsterte sich der Himmel immer mehr und man hörte leises Donnergrollen.

Ich holte schon mal vorsorglich meine Regenkleider hervor und begann mich anzukleiden. Die Pilger um mich herum schauten mich zweifelnd an, taten es mir aber gleich.

Ich hatte gerade alles Regendicht verstaut als die ersten Tropfen fielen. Schnell half ich dem Servicepersonal noch die Sonnenschirme und die Stühle in Sicherheit zu bringen.

Intwischen setzte der Regen heftig ein. Willst du da wirklich raus fragte mich jemand. Ich zuckte die Schultern, schliesslich habe ich excellente Regenbekleidung.

Also ging ich los. Was dann folgte hatte ich so nicht erwartet. Immer heftiger wurde das Unwetter und die Blitze kamen immer näher. Etwas mulmig wurde mir schon, der Weg führte stetig bergauf und um mich herum nur Büsche und niedrige Bäume.

Dann schlug ein Blitz etwa 100 meter neben mir ein. Es blieb zum Glück der einzige. Nach zirka einer Stunde zittern erreichte ich das nächste Dorf und dort eine Herberge. Es war übervoll mit gestrandeten Pilgern.

Nach einer Stunde hatte sich das Gewitter verzogen und ich ging weiter. Es regnete wieder. Ich war praktisch allein unterwegs. Dafür brausten öfters Taxis neben mir über die Strasse. Es war erstaunlich zu sehen wie wenige Pilger anständige Regenkleider dabei hatten. Von den Turnschuhen der allermeisten ganz zu schweigen. Selbst lange Hosen schienen viele nicht eingeplant zu haben.

Ich meine, ab heute sind wir wieder in den Bergen und mein heutiges Tagesziel liegt auf 1300 müM! Hier herrscht heute eine Temperatur von plus zwölf Grad! Keine Ahnung was sich diese Leute denken noch dazu in Turnschuhen! Wie dumm kann man bloss sein!

Aber eben, hauptsache Fun. Es wird ja oft auch geschrieben der Camino sei ein Spaziergang und jedermann auch Kinder könnten den locker bewältigen.

Tja wenn das Wetter stimmt und immer die Sonne scheint mag das noch einigermassen zutreffen. Aber so wie sich der Camino heute hier in den Bergen zeigt stimmt das überhaupt nicht mehr. Es wurde selbst für mich rutschig und ganze Bäche strömten talwärts über den Weg. Dazu die tiefe Temperatur.

Selbst für meine wasserdichten Kleidern war das ganze etwas zu viel. Richtig nass wurde ich nicht, aber feucht schon.

Endlich schaffte ich auch noch den Berg. Im Pilgerführer wurde der Anstieg als sehr hart bezeichnet. Gegen den Appalachian Trail war das bestenfalls ein Appetit Hügelchen 😂 (Angeber)!

So, jetzt hab ich mir ein Nachtessen verdient und dann ab in die Heia. Morgen soll wieder die Sonne scheinen. Ich freue mich auf einen sonnigen Tag 😎

Einen ebensolchen wünsche ich Euch auch 🌹

Euer Swiss

Camino Tag achtundzwanzig - von Foncebadón nach Ponferrada

Die Nacht in Foncebadón war etwas unruhig für mich. Ich hatte zwar ein Einzelzimmer aber es war so schlecht isoliert man konnte alles hören. ( Mich wohl leider auch 🤗) Hauptsächlich die Türen knallten jeweils recht laut. Dann war mein Nachtessen wohl etwas zu fettig. Es lag mir die ganze Nacht auf dem Magen.

Am morgen kam ich fast nicht hoch. Zu meinem leidwesen schmerzt mein rechter Fuss. Ich habe Schmerzen wenn ich über die Zehen abrolle. Ich hoffe, dass sich das wieder legt. Nach etwa einer Stunde laufen wurde es besser. Heute Abend kann ich wieder kaum auftreten. Na ja, irgendetwas muss einfach schmerzen, so weis man das noch alles dran ist!

Es war ein strenger aber wunderschöner Tag. Der Abstieg vom Berg über 1200 Meter nach unten erinnerte stark an den AT. Es waren einige steile und mit Steinen übersäte Streckenabschnitte dabei. Einfach die schönen alten Dörfer die wir durchquert haben gabs auf dem Trail nicht.

Die Strecke war mit 28km auch recht lang. Zum Schluss erreichte ich Ponferrada. Es scheint eine recht grosse Stadt zu sein. Sie ist über 4km lang und hat viele Aussenquartiere.

Am Schluss erlebte ich mit meiner Unterkunft eine wirklich tolle Überraschung. Ich bin stolzer Mieter einer ganzen Suite! Und das zum Preis von 60€ inkl. Frühstück! Das Zimmer hat Klimaanlage, eine vollständige Küche mit Mikrowellenherd und eine unglaubliche Regendusche. Ich war richtig platt als ich meine Bleibe sah.

Da bin ich gleich zurück zur Rezeption um nachzufragen ob ich das Zimmer gleich für zwei Tage haben könne. Ich kann! Damit mache ich hier meine wohl letzte Pause vor Santiago de Compostela. Heute habe ich nämlich auch die zweihunderter Grenze erreicht. Es sollte möglich sein in ungefähr acht Tagen dort einzutreffen. Das würde heissen, dass ich so um den 21 Juli an meinem Ziel ankommen könnte.

Es war bisher eine echt tolle Zeit die nur allzuschnell vorbei geht. Aber ich vermisse meine Familie, meine Freunde und ganz besonders meine Santina ganz fest. So freue ich mich riesig auf den Moment an dem ich meinen Schatz in die Arme nehmen und so richtig knuddeln kann 😁

Auf den letzten zweihunder Kilometern werden noch einmal ein paar hundert Pilger mehr unterwegs sein. Es ist ja so, wenn man die Compostela (Urkunde) will, muss man nur die letzten zweihundert Kilometer nach Santiago de Compostela laufen. Daher herrscht von nun an wohl Gedränge in den Unterkünften und teurer dürfte es auch werden.

Eigentlich ist heute der echte Jakobsweg zu Ende und es beginnt der kommerzielle Teil. Mal sehen wie schlimm es wird. Fertiglaufen werde ich trotzdem.

Das wars mal wieder vom Camino de Santiago für heute. Einen lieben Gruss an alle aus meiner Luxus Suite 🌹

Euer Swiss

Camino Tag neunundzwanzig - Ruhetag in Ponferrada

Relaxen war heute angesagt. Mein rechter Fuss macht echt Probleme. Deshalb habe ich heute den Ruhetag eingelegt. Ponferrada ist wieder eine sehr bemerkenswerte Stadt. Die Templer hatten hier einen bedeutenden Ort geschaffen in dem sie sich eine Heimat erschufen.

Ihre Zufluchtstätte existiert immer noch und ist heute ein geschichtsträchtiges Vermächtnis dieser ausserordentlichen Vergangenheit.

Ich habe mehrere Stunden in diesen Gemäuern verbracht und war überwältigt von der Ausstrahlung die noch heute spürbar ist. Noch nie war ich dem Mittelalter näher als genau hier.

Aus diesem Grund habe ich diesen Fotos eine eigene Seite gewidmet.

Ich melde mich morgen zurück, wenn ich mein nächstes Ziel erreicht habe. Bis dahin hoffe ich meine momentanen Körperlichen Probleme überwunden zu haben.

Dann mal los und ein tolles Wochenende wünsche ich Euch! Sommer ist angesagt, geniesst was Euch geboten wird! 😎🌹

Euer Swiss

Camino Tag dreissig - von Ponferrada nach Villafranca del Bierzo

Heute morgen war seit langem wieder einmal Nebel über der Landschaft. Erst kurz vor Mittag verzog sich die milchige Dunstglocke und gab die Sonne frei. Waren es den ganzen Morgen nur etwa 12 Grad, stieg jetzt die Temperatur zügig gegen +30 Grad hoch.

Mein Fuss schmerzte am Morgen immer noch stark. In mir stieg ein leiser Zweifel hoch, ob das Projekt Jakobsweg so noch zu realisieren wäre. Auch weil meine Therapeutin die Vermutung äusserte es könnte sich um einen Ermüdungsbruch im Vorfuss handeln.

Um den Fuss etwas zu entlasten habe ich meinen Rucksack mit dem Transportdienst vorausgeschickt. Zusätzlich brachte ich einen Verband um den Vorfuss an.

Schliesslich kaufte ich in einer Apotheke ein Mittel gegen die Schmerzen mit einer zusätzlichen entzündungshemmenden Wirkung. Um dieser Entzündung weiter entgegen zu wirken packte ich noch ein Wirkstoffpflaster obendrauf.

Dank dieser Massnahmen konnte ich einigermassen Laufen und die Schmerzen behinderten mich nicht mehr allzu stark. Im Augenblick spüre ich es wieder etwas stärker, es ist aber nicht mehr so drastisch wie noch heute morgen.

Ich denke wenn ich weiterhin meinen Rucksack zu tragen vermeide werde ich es bis Santiago de Compostela schaffen. Falls es sich doch noch ändern sollte werde ich abbrechen müssen.

Es sieht aber momentan nicht danach aus. Hoffen und beten (bin ja schliesslich hier auf einer Pilgerfahrt 😁) ist jetzt alles was ich noch zu tun vermag.

Denkt ein wenig an mich, dass könnte möglicherweise auch helfen und sonst schadet es sicher nicht!

Herzlichen Dank für Eure Anteilnahme! Bis morgen und bleibt gesund. Das ist das allerwichtigste wie man sieht.

Tschüss Ihr Lieben 🌹

Euer Swiss

Camino Tag einunddreissig - von Villafranca del Bierzo nach Las Herrerias

Zuerst möchte ich mich bei allen die mich unterstützen und mir geschrieben haben bedanken. Ich fand das sehr rührend soviele gute Worte von Euch bekommen zu haben. Dank dafür 🙏

Damit Ihr mich auf der Karte verfolgen könnt, ich habe es heute bis Las Herrerías geschafft. Das waren zwar nur 19 km aber mehr wollte ich meinem lädierten Fuss nicht zumuten.

Gemäss dem Pilgerführer steht unmittelbar nach Herrerías eine grosse Steigung bevor. Das denke ich wird morgen besser zu bewältigen sein.

Zudem sind bereits jetzt sehr viel mehr Leute unterwegs und natürlich auch viel mehr Radfahrer. Die fahren ja die letzten 200 km um die Compostela zu kriegen.

Deshalb ist es auch wieder schwieriger eine anständige Unterkunft zu finden. Das Projekt Zelten kann ich momentan sowieso vergessen. Ich kann meinen Rucksack jetzt noch nicht tragen, dass wäre dann wohl das Ende für meinen Fuss. Aus diesen Gründen muss ich eine Bleibe reservieren an die ich den Rucksack senden kann.

Ich vermute jetzt mal, dass das bis zum Schluss so bleibt. Ich möchte schon gerne fertiglaufen. Also werde ich auf die Zähne beissen, meinen Stolz schlucken und ohne mein Gepäck laufen. So ganz glücklich bin ich nicht damit, wollte ich doch wie ein echter Pilger und nicht bloss mit zwei – drei Kilos unterwegs sein 🙁

Wettermässig ist es heute echt kühl und es sieht gerade nach heftigen Gewittern aus. Jedenfalls hört man es schon Donnern. Wir sind jetzt definitiv in den Bergen. Aber ehrlich gesagt ist mir das viel lieber als die Hitze und und die Ebene zuvor.

Schade ist bloss, dass der Weg fast ausschliesslich auf Asphalt entlang von Strassen führt. Es ist zeitweise auch recht gefährlich wie diese Spanier hier auf den doch recht engen Strässchen daherrasen. Das erinnert mich stark an Italien 🙄

Ich hoffe mal, dass sich das wieder ändert wenn der morgige letzte grosse Aufstieg vorbei ist. Ich nehms wies kommt. Für meinen Fuss ist es natürlich besser wenn es nicht allzu Steinig ist. So hat alles seine zwei Seiten.

Wie war das noch, “Hans im Schneckenloch weis nicht was er will, denn was er will das hat er nicht und was er hat das will er nicht” Ich jedenfalls weis was ich habe und will: ankommen 😊

Bitte drückt mir die Daumen weiterhin und die Sache klappt!

Ich wünsche Euch allen einen guten Wochenstart! 🌹

Euer Swiss

Camino Tag zweiunddreissig - von Las Herrerias nach O Cebreiro

Die Königsetappe gemäss Pilgerführer sollte das Heute sein. Es begann erst recht sanft. Aber schon bald stieg es steil nach oben. Mir hat es ausserordentlich gefallen, ein Gefühl wie auf dem Trail! Der Fuss machte auch recht gut mit.

In O Cebreiro traf ich auf die Wirkungsstätte von Priester Elias Valiña. Er hat vor 30 Jahren massgeblich zur Wiederbelebung des Jakobsweges beigetragen. Er malte als erster mit Farbresten aus einer Baustelle die gelben Pfeile auf nach denen sich heute alle Pilger orientieren.

Diese Pfeile sind oft die einzigen Hilfen um auf dem rechten Weg zu bleiben. Leider verwenden des öftern auch Herbergen diese Pfeile um die Pilger zu ihren Unterkünften zu locken. Eine lästige Unart die abgestellt werden sollte.

Verlaufen habe ich mich heute zum Glück nie. Nur eine Umleitung zwang mich dazu vom eigentlichen Weg abzugehen. Es war aber nicht weiter schlimm. Dadurch führte der Weg einfach etwas länger an Strassen entlang. Warum wir umgeleitet wurden iet nicht klar geworden.

Das Dorf Fonfría wo meine heutige Unterkunft steht, ist sehr klein. Nur ein paar Bauernhäuser und die Herberge. Aber ich wollte heute bewusst nicht zu viele Kilometer laufen um mich zu schonen. Darum entschied ich nach 21km in diesem Dorf meine heutige Etappe zu beenden.

Im übrigen war da noch der steile Aufstieg zu bewältigen. So gesehen habe ich für mich genug geleistet.

Morgen sind es nur 18km bis Samos. Dafür gehts wieder 700 Meter abwärts was eine zusätzliche belastung für den Fuss darstellt. Damit wären dann die steilen längeren Passagen auf dem Camino vorüber.

Von Samos an wird es wieder flacher. Zum Glück aber nicht mehr so eintönig wie zuvor auf der langen Strecke von Burgos bis nach Astorga.

Seit heute bin ich nur noch ca. 145km von Santiago de Compostela entfernt. Es beginnt der Countdown! Einzig mein lädierter Fuss könnte mich jetzt noch stoppen.

Darum lege ich mich nun hin und schone den Kerl. Er wird es mir hoffentlich danken.

Passt auf Euch auf und bis morgen. 🌹

Euer Swiss

Camino Tag dreiunddreissig - von O Cebreiro nach Samos

So, wieder ein Tag geschafft! Blöd nur, dass die angegebene Kilometerzahl im App nicht der tatsächlichen Strecke entsprach. Angabe 18km gelaufen 22km! Eigentlich spielt das normalerweise keine grosse Rolle. Aber mit meinem Fuss…?

Leider macht er mir nach wie vor Probleme. Zusätzlich scheint das Schmerzmittel Voltarenähnliche Substanzen zu besitzen. Der Apotheker dem ich damals meinen Notfallpass gezeigt habe hat das offensichtlich nicht kapiert. Jetzt habe ich einen tollen Hautausschlag. Es ist zum verzweifeln, aber ich gebe nicht auf… vorläufig. 😖

Nun habe ich mir ein anderes Schmerzmittel geholt und Salbe. Könnte sein, dass das Wirkstoff Pflaster auch einen Wirkstoff enthält den ich nicht vertrage.

Das Mittel das ich jetzt benutze ist ibuprofen. Das vertrage ich, habe es bereits einmal verwendet.

Genug gejammert, es geht morgen weiter, mit angegebenen 32km. Hoffentlich stimmt das diesmal 😜

Landschaftlich und Wettermässig war es ein toller Tag. Der Weg führte mich über einen guterhaltenen Römerweg. Ich staunte einmal mehr über dieses Vermächtnis, das uns diese Kultur in ganz Europa hinterlassen hat.

Ich sah auch einige Steinmauern die mich verdächtig an jene im Säuliamt erinnerten. Leider waren es nur noch Fragmente die kaum zuzuordnen waren. Auch Steinkreise gabs nirgends zu sehen. Dafür jede Menge Kapellen und Kirchlein.

Heute bin ich ja in Samos. Es ist nur ein kleines Städtchen mit einem umso grösseren Kloster. Bilder werde ich noch hochladen. Leider fehlt mir nun die Zeit um mir das näher anzusehen.Da von morgen an noch mehr Pilger auf dem Weg sein werden habe ich alle Herbergen bis Santiago de Compostela vorreserviert. Es ist zwar schon möglich später noch eine Bleibe zu finden.Nur sind die besten und preiswertesten dann weg. Was übrigbleibt ist entweder schlecht, weit von allem weg oder extrem teuer. Nicht was ich mir für den Rest wünsche. 128 km das ist was mir jetzt noch fehlt! Ich hoffe echt, dass ich das schaffe. Wäre doch hart, jetzt so kurz vor dem Ziel aufgeben zu müssen.Ich weis, dass Ihr mir alle die Daumen drückt. Dafür und für die vielen guten Wünsche die ich bereits erhalten habe bedanke ich mich herzlich.

Bis morgen dann, jetzt brauche ich dringend Eure Daumen 👍🌹

Euer Swiss

Camino Tag vierunddreissig - von Samos nach Portomarin

Ihr seid einfach toll. Das Daumenhalten hat sowas von geholfen. Ich habe es geschafft!! Es waren wieder einmal ein paar Kilometerchen mehr, 36 an der Zahl aber es ist gelungen und der Fuss ist noch heil!

Morgens um 4:15 Uhr war Tagwache. Bis ich alles gepackt und zum Abmarsch bereit war zeigte die Uhr 5:15 Ich aus der Türe 20 Meter weiter realisiert Rolandi, dass es stockfinster ist. Also zurück und die Stirnlampe aus dem Rucksack holen… denkste die Türe lässt sich von aussen nicht mehr öffnen.

Super, so bin ich bis um 7:30 Uhr mit der Lampe des Handys durch dunkle alte Römerwege auf und ab gestolpert. Um mich abzulenken, mutterseelen allein, habe ich Musik über die Kopfhörer gelauscht.

Urplötzlich verlor der Hörer seine Verbindung mit einem Rauschen und verstummte. Dafür vernahm ich in der Dunkelheit den unheimlichen Ruf eines Uhu. Gerade als ich auch noch einen Friedhof passierte.

Ein wenig zitterig beschleunigte ich und werkelt an meinem Equipment herum. Nach einem Neustart erklang wieder Musik zu meiner Erleichterung!

Das sind Erlebnisse die kannst Du nur auf einer Wanderung morgens in aller Herrgottsfrühe erleben! Bis um 8:00 Uhr war ich Mutterseelenallein unterwegs. Ich bin ja die Südvariante gelaufen und die traf erst wieder kurz vor Sarria auf den normalen Camino. Von da an war Betrieb auf dem Weg. In Sarria beginnt für sehr viele erst der Jakobsweg.

Aber jetzt muss ich erst mal danke sagen, danke Euch allen die Ihr an mich gedacht habt. Das Daumenhalten hat sowas von geholfen!! Immer wenn ich aus der Spur geriet habe ich an Eure Unterstützung gedacht und es lief wieder!

Ich bin sowas von glücklich, dass ich diese Prüfung überstanden habe. Ich könnte heulen vor lauter Glück. Jetzt kann mich nichts mehr aufhalten! Es bleiben noch 92km übrig, dass ist echt zu schaffen. Auch mit dem lädierten Fuss.

Danke, danke, danke 🌹🌹🌹 für Eure Hilfe und dass Ihr mir die Daumen gedrückt habt. Bleibt bitte bis zum Schluss dabei, ich brauche Euch noch!

Allen einen schönen Abend, ich gehe jetzt unter die Dusche ein wenig Heulen. 😭

Euer Swiss

Camino Tag fünfunddreissig - von Portomarin nach Palas de Rei

Tag fünfunddreissig, kaum zu glauben wie lange ich jetzt schon durch Spanien latsche. Zwei paar Socken, ein paar Schuhe und ein halber Fuss sind bisher draufgegangen. Was ist denn nun die Erkenntnis des ganzen?

Erstens, Wandern macht unheimlich Spass! Zweitens wegen der Kulinarik sollte man besser zuhause bleiben. Drittens ich liebe jetzt auch die Spanier also natürlich nach den Italienern und den Nepalesi! Aber noch vor den Engländern die sich einfach nach meinem Geschmack zu sehr einmeihomeismei Kasteln. Für den Google Translator: zu sehr meinheimistmein Kasteln. (Glaube zwar nicht das der damit klarkommt)

Wo war ich? Ach ja, viertens: Völkerwanderung wurde auf dem Camino erfunden. Ich habe noch nie so viele Fusskranke Blasentreter freiwillig durch die Botanik sich kämpfen sehen. Mindestens 60% der in den Bars an der Strecke sitzenden haben die Schuhe ausgezogen, halten ihre Stinksocken in den Händen und werkeln an ihren Blasen und sonstigen Wehwehchen herum.

Zur Verteidigung der Durchpilger (neues Wortgebilde analog thruhiker) muss ich bemerken, dass dieses Phänomen erst seit Kilometer 100 vermehrt zu beobachten ist.

Tja und fünftens? Die Religion ist logischerweise das zentrale Thema bei diesem Massenphänomen. Erst wenn dann auch noch wandernde Predigchöre unterwegs anzutreffen sind, stellt sich mir ernsthaft die Frage häää???? Oder ich am Wegrand auf einem Schild lese “Gratis Umarmungen hier!” beschleunigt sich mein Schritt wie von selbst.

Sechstens, hier geht mir die Phantasie langsam aus. Ach ja, es gibt auf dieser Pilgerfahrt nichts kurioses das nicht passieren kann. Kollektiver Wohlfühl Gspürschmi Zauber allenthalben. Nicht böse gemeint, aber es ist halt so. Alle fünf Meter wünscht mir jemand “buon Camino” kann man das noch ernst nehmen? Das ist in etwa dasselbe wie auf dem AT die Floskel “how are you?” wirklich interessiert hat es kein Schwein. Aber sagen musste man es.

So, das war jetzt eine nicht ganz ernst gemeinte Zusammenfassung des Camino Erlebens. Mir war einfach gerade so. Darum schreibe ich ja auch immer gleich nach meiner Ankunft am Tagesziel.

Seid wohlfühlsam zusammen und danke für die Aufmerksamkeit. Tschüss bis morgen, dann wieder ernsthaft… vielleicht 😁🌹

Euer Swiss

Camino Tag sechsunddreissig - von Palas de Rei nach Arzúa

In vier Tagen fliege ich bereits nach Hause. Dann sind die achthundert Kilometer geschafft. Ich hatte lange Zweifel ob ich es mit dem angeschlagenen Fuss durchziehen kann. Zum Glück konnte ich das schwere Gepäck voraussenden, auch wenn ich es lieber selber getragen hätte.

Aber ich musste mich entscheiden, weil das Gewicht hätte meinen Fuss bestimmt zu sehr belastet. Zum Ausgleich konnte ich das Tempo massiv erhöhen. Nicht viele Pilger konnten da noch mithalten. Auch nicht solche ohne Gepäck. Das schmeichlt natürlich dem Ego! 😇 Nein, es war schon toll, dass mit dem Handicap noch so viel drin lag.

Ietzt bin ich also 28km weiter in Arzúa. Von hier sind es garade noch 38km bis Santiago de Compostela. Man merkt es gut an der riesigen Anzahl Pilger auf dem Weg. Es ist eine richtige Völkerwanderung. Allein unterwegs ist man höchstens noch morgens um sechs Uhr. Ab 08:00 Uhr zieht es mächtig an. Dann sind die Pilger wach und verpflegt.

Es ist schon ein riesen Unterschied zu den Kilometern vor 200km. Damals waren die Bars zumindest um halb acht offen. Nun kann man froh sein wenn sie um halb neun offen sind.

Sowieso fängt hier das Leben erst nach acht an. Nicht wie bei uns wo sich die Staus bereits nach sechs bilden. Tja andere Länder andere Sitten. Allerdings weis ich nicht wie es in der Stadt ist.

Und die Autofahrer sind wie die gestörten unterwegs. Kaum jemand fährt unter 100 kmh. Auch wenn 70 oder gar 60kmh vorgeschrieben sind. Als Wanderer muss man schon sehr aufpassen wenn man die Strasse überqueren muss.

Es ist genau wie in Italien, vielleicht noch ein wenig schlimmer. Zum Glück sind wir nicht sehr oft direkt auf der Strasse unterwegs, da haben die Verantwortlichen des Pilgerweges recht gute Arbeit geleistet.

Zumindest die letzten 200 km sind grösstenteils vorbildlich angelegt. Es gibt praktisch nur noch plattgewalzte Wanderwege die dem Römischen Wegnetz folgen. Das ist oft sehr romantisch. Ich habe ein paar Fotos davon gemacht.

Nun bin ich also in meiner Pension in Arzúa angekommen. Es ist wieder einmal phantastisch. Die Pension verfügt über eine riesige gedeckte Terasse, eine Küche, einen Gemeinschaftsraum und eine Waschmaschine mit Trockner, gratis! Das grösste ist, ausser mir ist heute niemand hier, ich habe das alles nur für mich!

Also sitze ich hier auf der Verand in einer Schaukel und schreibe meinen Blog während gerade meine Wäsche durchläuft. Bequemer gehts echt nicht mehr. Ausserdem befinden sich rechts und links der Haustüre zwei Restaurants, perfekt.

Ich grüsse Euch aus meiner superbequemen Schaukel und wünsche Euch ein schönes Wochenende. 🌹

Euer Swiss

Camino Tag siebenunddreissig - von Arzúa nach Lavacolla

Da war sie also, meine letzte lange Etappe auf dem Jakobsweg. Ein letztes mal standen 28km an. Es forderte noch einmal alles von mir. Zumal es am Schluss mal wieder 31km waren.

Irgendwie geriet ich zwischendurch auf eine Alternative Route die zusätzliche 2km ausmachte. Und am Schluss war die Unterkunft über 1km vom Camino entfernt. Voilà 3km mehr gelaufen.

Obschon ich mich das ja bereits gewohnt bin, war es heute eine zusätzliche Belastung. So langsam spüre ich am ganzen Körper die Müdigkeit. Ich bin ja jetzt auch schon seit acht Tagen ohne Unterbruch unterwegs.

Da ist auch noch das Problem mit dem rechten Fuss. Spüren kann ich ihn eigentlich immer. Aber so langsam gehört der Schmerz zum laufen dazu und ich nehme ihn kaum mehr wahr. Einzig auf sehr unebenem Gelände wird es schlimmer, aber das ist ja jetzt eher die Ausnahme.

Die Wege sind jetzt mehrheitlich super ausgebaut und meist auch toll ausgeschildert. Nur ab und zu in kleinen Dörfern ist die Signalisation nicht einfach zu finden. Manchmal sind die Pfeile am Boden aufgemalt, manchmal klein und hoch oben an einer Hausmauer oder auf einem Pfeiler.

Meist läuft man sowieso den Pilgern nach die vor einem laufen. Bloss kann auch das in die Hose gehen! Wie dort wo ich mich plötzlich auf einer Variante zum Jakobsweg wiederfand. Da war ich auch stur einer vor mir watschelnden Pilgerschar gefolgt. Resultat: die erwähnten 2 Kilometer Umweg.

Nun zu etwas das mir bei meiner Wanderung oft aufgefallen ist. Es sind sehr viele Bauruinen zu sehen. Ein paar mal standen Autobahn Teilstücke in der Gegend herum die angefangen aber nie fertiggestellt worden sind. Wohl auch ein Grund der Wirtschaftskrise in Spanien.

Es ist schon gespenstisch einem ganzes Teilstück mit Brücke und Zu und Abfahrt mitten in einem Wald zu begegnen. So etwas habe ich hier zum ersten Mal gesehen. Auch ganze Wohnbau Siedlungen irgendwo auf dem Land ohne Infrastruktur die halbfertig gebaut herumstehen. Die Türen zugemauert und ohne Fenster. All diese Anlagen zeugen von riesigen Fehlinvestitionen.

Ich vermute jetzt mal, dass diesem Umstand auch der Unmut der hiesigen Bevölkerung gegenüber der Zentralregierung in Madrid entspringt. Verstehen kann man es wenn man die Auswirkungen hier sieht.

Es erinnert mich stark an den Rust Belt im Osten der USA. Oder an die Misere in Süditalien die ich um Neapel gesehen habe. Es sind alles Gebiete die von den Politikern und der Wirtschaft links liegen gelassen wurden. Globalisierung sei dank!

Kein Wunder werden Leute wie Trump, Puigdemont, und Giuseppe Conte plötzlich in die Regierung gehievt. Auch der Rechtspopulismus erklärt sich damit.

Das wär dann alles was ich am Tag vor meiner Ankunft in Santiago de Compostela zu erzählen gedachte. Morgen also das grosse Finale für das ich 800km gelaufen bin ! Nach achtunddreissig Tagen erreiche ich das erkämpfte Ziel!!

Morgen melde ich mich von Santiago de Compostela!!!

Bis dann Ihr Lieben und bleibt mir noch einen kurzen Moment treu! 🌹🌹🌹

Euer Swiss

Camino Tag achtunddreissig - Letzte Etappe! von Lavacolla nach Santiago de Compostela

Das wars, ich habe es geschafft! Sogar mit Rucksack bin ich die letzten Kilometer gelaufen. Es war ja auch nur noch ein kleines Stück bis zum Ziel. Damit sind 800km Jakobsweg zurückgelegt.

Es war wieder ein fantastisches Erlebnis mit allem was so eine Weitwanderung zu bieten haben kann. Heisse Tage mit endlos flachem Gelände, kalte neblige und regnerische in den Bergen.

Leute jeglicher Art, religiöse und mehr Touristische, Aussteiger und Originale, Skurrile Typen und sympatische Nonnen, Jugendliche aufgestellte Wandergruppen und einsame unnahbare Menschen auf Selbstfindung, Arme und Reiche. Einfach so ziemlich alles was die Menschheit zu bieten hat.

Ich möchte hier noch einmal allen Danke sagen die mich auf meinem Weg begleitet haben. Die meine Blogs gelesen haben, die mir ab und zu geschrieben haben. Die mir Mut gemacht haben und mich unterstützten wenn ich es nötig hatte. Ihr alle wart wichtig für mich.

Auch weil ich diese Wanderung ganz alleine durchgeführt habe. Das ist oft nicht ganz einfach. Die Leute die man trifft können die echten Freunde zuhause nicht ersetzen. Meistens mussten wir in Fremdsprachen kommunizieren. Da geht vieles verloren. Es waren sicher auch schöne Erfahrungen, zweifelsfrei.

Das alles ist jetzt vorüber und bleibt in meinem Herzen und der Erinnerung. Ich gedenke auch noch einmal dem verstorbenen Hanspeter, dem ich diesen Weg gerne widmen würde. Er hat mich in meinen Gedanken immer begleitet und ich wünsche Ihm alles gute da wo er jetzt sein mag.

Ich habe viele Kerzen für Ihn und alle anderen die ich verloren habe in Kirchen auf dem Weg angezündet. Die letzten heute in der Kathedrale von Santiago de Compostela. Solange wir unseren geliebten Menschen gedenken sind Sie irgendwie nicht wirklich weg. Das ist meine feste Überzeugung.

Genug sentimentales, jetzt gehe ich noch kurz feiern und dann gehts schon bald ans packen. Ich freue mich endlich wieder meine Santina im Arm halten zu können!

Ich wünsche allen noch einen tollen Sonntagabend und schlaft gut. Tragt Sorge zueinander es ist es sich wert! Alles Liebe 💗🌹

Euer Swiss

Letzter Tag des Abenteuers Camino Francés

Das Abenteuer ist zuende, das Werk vollbracht. Santiago de Compostela ist erreicht. Komischerweise stellt sich bei mir keine riesige Euphorie ein.

Ihr fragt Euch sicher was hat er nur? Er sollte doch vor Freude die Wände hochgehen?

Ehrlich gesagt habe ich mich auch gewundert wo meine Euphorie bleibt. Ich habe mir überlegt wiso ich so emotional unbeteiligt reagiert habe. Ich glaube zu wissen weshalb.

Da ist erst einmal das Wissen, dass damit ein tolles Abenteuer vorbei ist. Die Freude jeden Tag unterwegs sein zu können, frei zu sein und etwas einmaliges Erleben zu dürfen.

Der Spruch der Weg ist das Ziel stimmt für mich in jeder Beziehung. Nicht Santiago de Compostela war primär wichtig, sondern jeden Tag aufs neue aufzustehen. Die Herausforderung anzunehmen und dem inneren Schweinehund eine lange Nase zu drehen.

Sich körperlich und geistig herausgfordert zu fühlen. Schmerz und Frust überwinden und unsere wunderbare Welt zu bestaunen. All das bedeutet mir unendlich viel mehr als ein Zertifikat am ende und ein Klaps auf die Schulter.

Versteht mich bitte nicht falsch, natürlich freue ich mich über Eure Glückwünsche. Sie sind auch ein Teil der mir mehr Wert ist als jedes noch so schöne Diplom. Das und ganz wichtig für mich alle die mich unterstützten und meine Blogs gelesen haben. Es war so toll meine Reise mit Euch teilen zu dürfen. Noch einmal vielen Dank 🙏 dafür.

Morgen geht es also zurück in die Heimat. Alles ist gepackt und das Taxi zum Flughafen steht morgen um 07:00 Uhr bereit.

Damit verabschiede ich mich wieder einmal von Euch. Ich werde noch kurz schreiben was nun mit meinem Fuss wirklich los ist. Am Mittwoch habe ich einen Termin bei einem Orthopäden.

Machts gut und geniesst jeden Tag aufs neue. 🌹🌹🌹😉

Euer Swiss

Heute beim Arzt

Ich hatte ja heute meinen Termin beim Orthopäden. Er hat den Fuss begutachtet und dann ein Röntgenbild angeordnet.

Das Verdikt war wie erwartet. Der dritte Mittelfussknochen ist gebrochen. Darum laufe ich nun mit einen Gips herum. Alles andere wäre nicht genügend gewesen um den Fuss richtig stillzulegen.

Der Arzt meinte es sehe nicht aus wie ein Ermüdungsbruch. Das beruhigt mich sehr, weil es sonst bedeutet hätte, dass etwas mit der Knochendichte nicht mehr stimmt.

Also ist es nach sechs Wochen hoffentlich ausgeheilt. Damit sollte es dann auch weiterhin möglich sein Wanderungen zu unternehmen.

Ich bin sehr froh, ist es nichts schlimmeres. Auf Wanderungen zu verzichten wäre mir sehr schwer gefallen.

Mit diesem Bericht ist das Unternehmen Jakobsweg nun definitiv abgeschlossen. Ich melde mich wieder wenn ein Projekt ansteht. Bis dahin wünsche ich Euch allen alles Gute und gute Gesundheit. 🌹🌹🌹

Euer Swiss

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