Etappe 9 Bern -Münsingen 26.06.22

Nach der anstregenden Wanderung vom Samstag mit dem dramatischen Finale in Saxeten, stand heute eine leichtere Etappe an.

Dazu hatten sich zwei mutige Mitwanderer angemeldet. Ich freute mich natürlich darauf, zumal meine ehemalige Geliebte und jetzige Angetraute sich getraute mitzuwandern. Dazu gesellte sich der Wandervogel und seines Zeichens ausgewiesene Fuss vor Fuss Setzer Ueli Hirt.

In ebendieser Zusammensetzung starteten wir am Sonntagmorgen in das Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Würden wir die mörderischen Strapazen dieser 16 Kilometer langen Strecke stemmen?

Den Anfang nahm das Unternehmen Sturm auf die Badi Münsingen am Bärengraben in Bern. Da wo sich Wochen zuvor mein sprechendes Wandernavi von mir verabschiedet hatte.

Von den zwei neuen Mitwanderern eignete sich keines als Ersatz dafür. Meine Äpfel übernahmen wieder die Aufgabe uns sicher durch die Wildnis am Aarelauf zu dirigieren. Auf das kein Suchtrupp mitten in der Nacht unsere verirrte Wandergruppe retten musste.

Die netten Bären jedenfalls waren an uns nicht interessiert. Sie hockten faul in ihrem Gehege und kümmerten sich nicht um die staunenden Zuschauer. Mir sind diese braunen Gesellen ja schon in der Wildnis Amerikas begegnet. Und sie waren äusserst nett zu uns Hiker.

Mich gelüstete es schon bald nach einem feinen Tee. Vorzugsweise in Begleitung eins frischen, herrlich duftenden Croissant. Genau das wurde uns im exclusiven Restaurant Schwellenmätteli kredenzt. So macht wandern noch ein wenig mehr Spass!

Solchermassen beglückt ging es nun weiter. Unter einem zunehmend blauen Himmel stieg auch langsam die Temperatur in den zunächst orangen und dann zunehmend roten Bereich. Mit anderen Worten wir fingen an zu schwitzen wie Brauereipferde. Der guten Stimmung tat es keinen Abbruch.

Mit allerlei Nonsens im Kopf wie der Frage: Was ist rot und rennt mit Kopftuch durch den Wald? ….. ein Rambodieschen! überwanden wir Kilometer um Kilometer unter einer glühenden Sonne. Irgendwann, wir hatten etwas das Zeitgefühl verloren, erreichten wir das Restaurant Jägerheim.

Ich weis, das hört sich an wie eine Kneipentour. Aber ehrlich, bei einer Kneipentour liegen keine zehn Kilometer zwischen zwei solchen Häusern oder? Genau so viele Kilo Meter hatten wir bis hierher zurückgelegt. Höchste Zeit uns etwas abzukühlen!

Ein feines Glace erfüllte diesen Zweck vorzüglich. Gefolgt von einem starken Espresso waren wir bereit der letzten Wegstrecke die Stirn zu bieten. Genau auf selbiger bildeten sich in der Folge Schweisstropfen in ungeahnter Anzahl und mit zunehmender Geschwindigkeit.

Die Vorgaben zur Zertifizierung der Via Berna verbieten eine Route entlang der lärmigen Autobahn. Aus diesem Grund wurden wir kurzerhand auf Feldwegen und entlang des Belpbergs geführt. Leider gab es da keinerlei Schatten und der Wasserverbrauch stieg stetig an.

Die Route als solches ist klug gewählt. Es ist abwechslungsreich und wir durchwanderten Strecken vor unserer unmittelbaren Haustüre die wir so noch nicht gekannt hatten. Wandern ist für mich die schönste Form um die Natur und ihre Schönheit zu erleben.

Dann tauchte wie aus dem Nichts wieder die Aare und die Badi Münsingen auf. Es war geschafft und wir fast wieder Zuhause…. leider nur fast. Den Bus sollte man mittels einer Leuchttaste an einem Pfosten anfordern. Dies spätestens drei Minuten vor der Fahrplanmässigen Ankunft.

Wir sind aber eine Minute vorher angekommen. Der Bus erschien folglich nicht. Also mussten wir eine Stunde warten. Was uns in der Badibeiz nicht sonderlich schwer fiel. Beim Versuch zehn Minuten vor Ankunft den Knopf zum leuchten zu bringen scheiterten wir mehrmals. Das Ding wollte partout nicht leuchten.

Wir fürchteten, dass auch dieses mal kein Bus erscheinen würde und wir auch noch die letzten Kilometer zum Bahnhof laufen müssten. Darauf hatten wir nun echt keinen Bock mehr! Als zur Fahrplanmässigen Ankunftszeit kein Bus erschien wurde aus der Vermutung langsam Gewissheit.

Schon tippte ich einen gehässigen Text an die Adresse von Bern Mobil ins Handy da erschien unter einem grossen aufatmen ein knallroter Bus des gerügten Unternehmens. Das Rätsel war gelöst, die Leuchte im Knopf war offensichtlich defekt.

Aber unser Pech hatte noch eine weitere Attacke vorbereitet. Im Bus fing eine etwa zwei Jahre alte menschliche Sirene an zu heulen. Ich wusste bisher nicht was für eine Lautstärke so ein unschuldiges Kind zu erzeugen fähig ist. Und es liess sich auch nicht ausschalten.

Wir waren erleichtert, am Bahnhof Münsingen den Bus verlassen und die Sirene loswerden zu können. Ahnungslos bestiegen wir den Bahnersatz Bus nach Gümligen als kurze Zeit später das Ehepaar samt Heulsuse ebenfalls zustieg. Mir hochrotem Kopf öffnete das unsäglich laute Kind wieder seinen Schreihals.

Gott wie ich solche Eltern samt ihrer Kinder liebe! Besonders nach einer schweisstreibenden Wanderung unter einer erbarmungslosen Sonne! In Gümligen endlich wurden wir das Kind samt Eltern los, mit einen Tinnitus im Ohr.

Der Rest war Routine, nichts weltbewegendes hat sich dann noch ereignet. Ausser das Santinas Wanderstöcke am Bahnhof in Worb an einem Hacken hingen. Sie hatte sie am Morgen dort auf einer Bank vergessen. Aus Solidarität sind wir alle drei den Weg ohne Stöcke gelaufen.

Damit ist mein Schreiborgan an seiner Kapazitätsgrenze angelangt. Ich kann schütteln solange ich will, da kommt nichts mehr. So lasst mich Euch zum Abschluss danken für Eure Zeit die Ihr genommen habt um mein Abenteuer mit mir noch einmal zu durchleben. Herzlichen Dank!

Euer Swiss 🌹❤️

Geht ihr ruhig wandern. Ich mache hier so lange ein Nickerchen.
Die Rentnergang, bereit fürs Abenteuer!
Das Schwellenmätteli. Ein eindrückliches Spektakel. Gemütlich vom Restaurant aus fotografiert.
Pelikane im Tierpark bei der Morgentoilette. Man will ja schliesslich anständig gekleidet zur Sonntagspredigt.
Meine beiden Mitstreiter unter dem Via Berna 38 Wegweiser. Zum Beweis, wir waren tatsächlich da!
Santina on the Road! (Ohne Stöcke 😂)
Da schreiten Sie dahin.
Immer weiter, dem Horizont (Badi) entgegen!
Endlich, die Badi ist erreicht! Da machen es sich die Bootlifahrer leichter. Lassen sich einfach auf der Aare treiben.

2 Kommentare zu „Etappe 9 Bern -Münsingen 26.06.22“

  1. Hallo Roland
    Also, ich muss schon sagen, deine Kreativtexte lassen einen so richtig mitwandern , mitfiebern, mitschwitzen, mitleiden und unendlich schmunzeln. Danke für deine Ausführungen. Sie sind mega interessant.
    Hast du dir schon mal überlegt ein Buch zu schreiben? Wenn nicht, dann sei hier gesagt, dass du ein „unbeschreibliches“ Feingefühl für Beschreibungen der Umgebung, Natur und Menschen sowie Erlebnisse und Emotionen und das alles mit einer grossen Prise Situationskomik zutage legst. Das wäre ein Anfang für deine nächste Schreibetappe im Leben.
    Sonnige Grüsse vom schönen Hotelpark von Mallorca Nicole

    1. Wow, dass ist ja ein riesiges Kompliment für meine Bemühungen was ordentliches von mir zu geben. Herzlichen Dank dafür! Ich trage mich tatsächlich mit dem etwas vermessenen Gedanken mal ein Buch schreiben zu wollen. Leider ist das eine ganz andere Liga als einen Blog zu betreiben. Man benötigt dazu sehr viel mehr Zeit als einfach mal locker loszufantasieren. Ich wünsche Dir und Deinem Partner und ganz wichtig (für mich 😉) Deinen Händen eine erholsame Zeit im wunderschönen Mallorca. Bis zum nächsten mal.

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