Etappe 13 Saxeten – Isenfluh

Einen derart schönen Tag habe ich weder erwartet noch verdient. Das ganze Gewusel auf der Anreise aber auch nicht! Ich glaube jeder der einigermassen fähig ist ein paar Schuhe zuzubinden war auf dem Weg in die Berge.

Schon in den Zügen stapelten sich allerlei sonderbares Wandervolk. Da gabs welche mit Seilen und Rucksäcken wie Einfamilienhäuser. Andere dagegen begnügten sich mit Dingern die aussahen als wären es lediglich Flaschenhalter. Amüsiert schaute ich mir die bunt zusammengewürfelte Gesellschaft an.

Es scheint als hätten sich alle plötzlich in Wanderfreaks verwandelt. In Wilderswil erwartete mich eine weitere Überraschung. Der Bus nach Saxeten war so voll wie eine Sardinenbüchse. Es ging beim besten Willen niemand mehr hinein.

Auf meinen Vorschlag es zu tun wie in Nepal, nämlich den Rest aufs Dach zu packen, erntete ich nur verwirrte Blicke. Der Chauffeur machte den Vorschlag nach dieser Fuhre in einer halben Stunde den Rest von uns zu holen.

Ich schlug sofort ein, hatte ich doch zu meiner Schande meine Getränkeflaschen zuhause vergessen 🫣 Ich der ich immer betone bestens ausgerüstet zu sein, laufe ausgerechnet bei der angekündigten Hitze ohne Getränke los! Nobody is perfect ist meine Ausrede.

Also hatte ich jetzt Zeit Getränke zu organisieren. Weil unsere ÖV so perfekt funktionieren hatte ich vorher jeweils nur Minuten Zeit um umzusteigen. Zu wenig um einzukaufen. Ich sah mich schon mit hängender Zunge am Wegesrand verdursten. Dieses Schicksal würde mir erspart bleiben.

Pünktlich (wie in der Schweiz meistens üblich) erschien der gelbe Wagen und holte uns ab. Im Gegensatz zu vorher hatten jetzt alle reichlich Platz und ich meine Getränke. In Saxeten war von den vorhergehenden Figuren keine mehr zu sehen.

Ich war der einzige der an diesem sonnendurchfluteten Morgen Saxeten Richtung Bällefurrge verliess. Ein schönes Stück Arbeit harrte meiner. Wieder bewegte ich mich auf einer Route die ich noch nie gegangen war.

Die Anstrengung spürte ich lange Zeit nicht, so sehr fasziniert dieser Teil der Via Berna. Und wieder haben die Initianten hervorragende Arbeit geleistet. Super beschilderte Wege führten mich stetig dem tiefblauen Himmel entgegen. Steil wars zeitweise schon und mein Puls bewegte sich am oberen Ende.

Ein paar Wanderer waren doch unterwegs und ich liess sie ziehen. Auf den Körper zu achten war mir wichtiger als irgend etwas beweisen zu wollen. Schliesslich erreichte ich die Bällefurgge und damit den Übergang zum Jungfraugebiet. Eiger und Mönch tauchten auf einer Seite und der Brinzersee hinter mir auf.

Eine Weile setzte ich mich hin und nahm diesen Anblick bewusst in mich auf. Eine tiefe Demut vor der unglaublichen Schönheit durchströmte mich. Wie schön unsere Heimat doch ist. Tragen wir bitte Sorge dazu durch etwas weniger Konsum und etwas mehr Bescheidenheit. Die Natur dankt es uns.

Danach wurde der Weg etwas anspruchvoller. Er führte mich zuerst unter steilen Felswänden und abschüssigen Geröllfeldern hindurch. Dann schwang er sich über hohe senkrechte Felswände abenteuerlich zu der nächsten Furgge.

Von hier an tummelten sich unzählige dieser Wanderzombies auf den Wegen. Man konnte mit der Seilbahn bequem von Isenfluh bis Sulwald hochfahren. Von dort ist es nur etwa eine Stunde bis zum Sulsseewli einem beliebten Ziel. Das schafft selbst ein Fusskraner mit Stöcken.

Genau diese Spezies wankte nun hinter und vor mir wieder Richtung Seilbahn in Sulwald. Danach war ich die los. Von jetzt an benötigte der Weg meine volle Konzentration. Es ging durch den vom vergangenen Regen durchnässten Weg sehr steil nach unten. Links von mir fiel der Boden nahezu senkrecht nach unten.

Aber es ging alles glatt (im wahrsten Sinne des Wortes) und ich erreichte wohlbehalten Isenfluh. Dort verpasste ich das Postauto diesmal nur um wenige Minuten. Also ging ich zurück ins dortige Restaurant.

Ach übrigens, kurz nachdem ich nach Sulwald gestartet war tauchte ein Beizli auf. Dort bekam ich meinen obligaten Tee. Diesmal einen Chai Latte, ein himmlisches Getränk!

Schliesslich gelangte ich per Bus nach Lauterbrunnen und zu meinem heutigen Nachtquartier. Es hört auf den Namen Base Caffee und ist eine sehr schlichte aber doch zweckmässige Unterkunft. Hier liege ich nun und schreibe diesen Blog. Während sich meine Haxen langsam erholen dürfen.

Genau das wünsche ich auch Euch liebe Leser. Ich möchte mich für heute verabschieden und danke für die Aufmerksamkeit.

Euer Swiss 🌹❤️

Iegendwo da oben links befindet sich die Bällefurgge. Ist der Himmel nicht wunderschön?
Eine echte Wassermühle die zu meinem Erstaunen sogar lief! Sowas habe ich schon lange nicht mehr gesehen.
Wie meistens war der Zustieg äusserst bequem.
Dann wurde es zunehmend anspruchsvoller
Ganz rechts führt der weg durch Geröll und über Felsbänder
Auf der Bällefurgge
Durch Geröll führt mich der Weg
Da gehts ganz schön runter!
Eiger und Mönch und die Jungfrauregion
Eine eichtige Kalberei
Auf dem Weg von Sulwald nach Isenfluh.
Endlich, Isenfluh taucht auf!
Angekommen in Lauterbrunnen.
Mein Nachtlager. Da drauf liege ich gerade und schreibe meinen Bericht
Da ruhen sie, meine Haxen.

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